Frankfurt/Main (dapd-hes).
Was den frühen Zeichnern bei Walt Disney noch Stift und Papier, sind den Visuelle-Effekte-Profis von heute mit all ihren Spezialistenberufsbezeichnungen Computermaus und Software. So entsteht am Bildschirm Pixel für Pixel zum Beispiel ein Drache für die zweite Staffel der Erfolgsserie 'Game of Thrones'.
So geht es üblicherweise in digitalen Postproduktionsfirmen zu. Was Pixomondo, den nach eigenen Angaben deutschen Marktführer, auszeichnet: An elf Standorten in fünf Ländern auf drei Kontinenten arbeitet diese Bilderfabrik praktisch rund um die Uhr. 'Auch wenn die Menschen schlafen, die Maschinen schlafen nicht', sagt Chris Vogt, Geschäftsführer und Deutschland-Chef des Studios, das nach seiner Gründung in Pfungstadt bald nach Frankfurt umzog. Damals hatte Pixomondo 12 Mitarbeiter, heute sind es mehr als 670 Festangestellte und ständige freie Mitarbeiter.
Einen gehörigen Schub bekam das Unternehmen durch den Auftrag von Hollywood-Regisseur Martin Scorsese, 98 Prozent und damit praktisch alle visuellen Effekte für seinen 3D-Film 'Hugo Cabret' um einen Waisenjungen in einem Pariser Bahnhof in den 1930er Jahren herzustellen. 'Vorher konnten wir im Jahr rund 600 Einstellungen berechnen und gestalten. Jetzt liegt unsere Kapazität bei rund 1.500 Einstellungen', sagt Vogt stolz: 'Wir haben die nächste Stufe erreicht.' Allein in den eineinhalb Jahren Arbeit an 'Hugo Cabret' wuchs die Zahl des festen Mitarbeiterstamms um gut 100.
Dennoch, sagt Vogt, hätten sich er, Pixomondo-Gründer und -Eigentümer Thilo Kuther und die anderen Chefs 'oft selbst gedacht, dass das Projekt ein Wahnsinn ist'. Genau 854 Einstellungen entwarfen die Spezialisten, die einer Laufzeit von 62 Minuten in dem am Donnerstag (9. Februar) in Deutschland anlaufenden Film oder mehr als 14 Millionen Einzelbildern oder knapp 317 Milliarden berechneten Pixeln oder einer Datenmenge von 3,5 Petabyte entsprechen. Ein Petabyte umfasst 1.000 Terabyte.
Eine der elf Nominierungen des Oscar-Favoriten 'Hugo Cabret' (Verleihung am 26. Februar in Los Angeles), die in der Kategorie 'Beste Visuelle Effekte', fiel auf Pixomondo. Hätte Pixomondo nicht glaubhaft zusichern können, die gewünschten Bilder in der nötigen Qualität und in der gebotenen Eile zu liefern, hätte Scorseses Mann für die Visuellen Effekte, der für seine Arbeit an 'Titanic' oscarprämierte Robert Legato, ein anderes Studio empfohlen.
Gut möglich, dass auch Pixomondos spezielles und nach Aussage von Chris Vogt einzigartiges Geschäftsmodell den Ausschlag für Scorseses Zuschlag gab. Anders als die Konkurrenz arbeiten die Pixomondo-Pixel-Profis weltweit an elf Standorten. So kann zum Beispiel der Kollege in Los Angeles die Kontrolle der niemals schlafenden Maschinen übernehmen, wenn sich die Kollegen in Frankfurt in den Feierabend begeben. Und so muss keiner hierzulande auf die verdiente Feiertagsruhe an Weihnachten verzichten, weil das für die Kollegen in China ganz normale Arbeitstage sind.
Verknüpft sind die Rechner von Pixomondo durch die eigens entwickelte IT-Infrastruktur 'ITworx 24/7'. Vogt sagt dazu: 'Wir haben unsere eigene Cloud gebaut.' Darüber werden alle Aufträge verschoben, denn die Spezialisten für das Entwerfen für Fantasiefiguren sitzen womöglich in einer anderen Stadt als die für TV-Werbung und die für Firmen-Imagefilme und die für die Architektur alter Bahnhöfe. Mehrere Standorte statt einer Zentrale und ein, zwei Dependancen kosten mehr Geld - bringen laut Vogt aber mehr Kunden und damit wiederum mehr ein.
Und sie böten einen weiteren Vorteil: Die Kunden vor Ort haben immer denselben Ansprechpartner, sagt Vogt: 'Der persönliche Kontakt zum Kunden ist für uns sehr wichtig.' Direkte Kommunikation sei durch Video-Konferenzen oder Telefonate nicht zu ersetzen. Der 'Hugo Cabret'-Auftrag erging von Robert Legato an den Pixomondo-Kreativen Ben Grossman, den er kannte und dem er vertraut, wie Vogt berichtet. So verbindet die Bilderfabrik alte Kaufmannstugenden mit High-Tech - so wie in den Filmen reale Bilder mit digital erzeugten.
dapd


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