Bewegender Abschied von einem großen Unternehmer: Die 'Inkarnation des europäischen Unternehmers' und zugleich ein 'Philantrop', 'Mäzen' und 'Wohltäter' sei der Versandhausgründer Werner Otto gewesen. So sagte es Altkanzler Helmut Schmidt am Donnerstag in Berlin bei der Trauerfeier für seinen im Alter von 102 Jahren verstorbenen Freund.
Vergrößern Bewegender Abschied von einem großen Unternehmer | Bild: © dapd

Berlin (dapd-bln). Otto habe einen Unternehmer auch immer an dem gemessen, 'was dieser aus sozialer Verantwortung bereit ist, für die Gesellschaft zu tun', betonte er. 'Alles dies ohne Pomp und Brimborium', fügte der Altkanzler hinzu.

Auf Pomp verzichtete auch die Trauerfeier für den Gründer des Otto-Versands im Französischen Dom zu Berlin: Den aufgebahrten Sarg bedeckten rote Rosen und weiße Magnolien. Zwei weiß blühende Bäumchen standen links und rechts davon in Kübeln, und neben dem Sarg und an der Wand waren einige rote und weiße Kränze niedergelegt. Das Orchester des Konzerthauses Berlin intonierte in kleiner Besetzung Bach-Variationen. Werner Otto hatte dem Konzerthaus einst eine neue Bühne geschenkt.

Links vor dem Altar hatten Altkanzler Schmidt, die Witwe des verstorbenen Unternehmers, Maren Otto, und dessen fünf Kinder mit ihren Familien, mit Enkeln und Urenkeln, Platz genommen. Rechts saßen Trauergäste aus Politik und Wirtschaft. Darunter Altbundespräsident Horst Köhler, die Bürgermeister von Berlin und Hamburg, Klaus Wowereit und Olaf Scholz, der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (alle drei SPD), die Moderatorin Sabine Christiansen und die Verlegerin Friede Springer.

Auch viele ehemalige Minister, Ministerpräsidenten und Bürgermeister erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre. Zudem zählten zu den 300 Trauergästen Vorstände von Unternehmen der Otto-Gruppe und verdiente ehemalige Mitarbeiter.

Der frühere Berliner Bischof Wolfgang Huber würdigte Otto als 'erfolgreichsten deutschen Unternehmer der letzten sechs Jahrzehnte' und erinnerte zugleich an dessen schwierige erste Lebenshälfte. Geboren im brandenburgischen Seelow, erlernte Werner Otto während der Weltwirtschaftskrise den Beruf des Einzelhandelskaufmanns. In der Nazizeit sei der Berliner Zigarrenhändler Otto dann wegen Propaganda gegen Hitler verhaftet worden und habe zweieinhalb Jahre lang im Zuchthaus Plötzensee gesessen. Den späteren Erfolg habe Otto 'nicht dem eigenen Verdienst, sondern göttlicher Fügung' zugeschrieben, sagte der langjährige evangelische Bischof.

Wowereit wandelte in seiner Traueransprache einen berühmten Werbespruch des Versandhauses Otto ab: 'Werner Otto find' ich gut', sagte der SPD-Politiker und erinnerte an dessen Stiftungen, soziales Engagement und Einsatz für Kunst und Kultur. 'Viele historische Bauten verdanken ihren Erhalt diesem Mäzen', sagte er. Otto war 1999 nach Berlin zurückgekehrt. 'Danke Werner Otto - Berlin verneigt sich vor seinem Ehrenbürger', schloss Wowereit seine Rede.

Altkanzler Schmidt sprach lange von der Freundschaft, die ihn mit Werner Otto verband. Michael Otto, der Aufsichtsratsvorsitzende der Otto-Gruppe, sagte, sein Vater sei ein erfolgreicher, engagierter, hilfsbereiter und glücklicher Mensch gewesen.

Werner Otto wird in Hamburg beigesetzt.

dapd