Die Diskriminierung, die in den vergangenen fünf Jahren zugenommen habe, sei die größte Hürde bei der Integration von Muslimen in den elf untersuchten Städten, sagte Studienleiter Tufyal Choudhuri am Montag in Berlin. Auch in Berlin sei jeder zweite der Befragten Opfer von religiöser oder ethnischer Diskriminierung geworden, sagte die Ethnologin Nina Mühe, die für den Berliner Teil der Untersuchung verantwortlich ist.
Obwohl sich 80 Prozent der befragten Muslime ihrem Wohnumfeld «stark zugehörig» fühlten, seien lediglich elf Prozent von ihnen der Meinung, von der Gesellschaft als Deutsche wahrgenommen zu werden. Dabei sei das politische und zivilgesellschaftliche Engagement der Muslime groß, sagte Mühe. Rund drei Viertel der wahlberechtigten Muslime beteiligten sich an Wahlen. Eltern, die sich an den Schulen ihrer Kinder engagieren wollten, seien teilweise jedoch auf Ablehnung gestoßen.
Ein Engagement scheitere häufig auch an der Unsicherheit oder mangelnden Sprachkenntnissen der Eltern, ergänzte Werner Schiffauer, Ethnologe und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Studie. Eltern muslimischer Schüler seien aber «überraschend informiert und interessiert».
Das nationale Zugehörigkeitsgefühl der Muslime in Deutschland liegt der Studie zufolge bei nur 25 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert aller sieben verglichenen Länder. «Viele Muslime fühlen sich ins Abseits gedrängt», sagte der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening. Von einem fehlenden Integrationswillen könne aber keine Rede sein. Auf lokaler Ebene gebe es viele Initiativen, in denen Muslime und Nicht-Muslime kooperierten.
Trotz einer wachsenden Einbindung der Muslime in den Stadtteilen sei es aber nicht gelungen, «Muslime hier wirklich heimisch werden zu lassen», sagte Piening. Ihr Bemühen um Integration werde auch durch Diskriminierung behindert. Die Politik müsse vermitteln, dass «der Islam ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft ist», forderte Piening. Erfahrungen der Ausgrenzung dürften andererseits bei den Muslimen nicht zur Resignation führen.
Für die europaweite Vergleichsstudie wurden insgesamt rund 2200 Muslime und Nicht-Muslime in Berlin und Hamburg sowie neun weiteren Städten in Großbritannien, Schweden, Frankreich, Belgien, Dänemark den Niederlanden befragt. In Berlin nahmen 200 muslimische und nicht-muslimische Bewohner Kreuzbergs an der Studie teil.
(Quellen: alle vor Presse)
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