Berlin widmet Gerhard Richter zum 80. Geburtstag große Ausstellungen: Gleich mit zwei großen Ausstellungen feiert Berlin den 80. Geburtstag des Künstlers Gerhard Richter: Eine große Gerhard-Richter-Retrospektive gibt in der Neuen Nationalgalerie Einblick in das vielseitige Werk des Malers, während sich das private Ausstellunghaus me Collectors Room dem Editionswerk Richters widmet.
Vergrößern Berlin widmet Gerhard Richter zum 80. Geburtstag große Ausstellungen | Bild: © dapd

Berlin (dapd). Die Schauen 'Gerhard Richter: Panorama' und 'Gerhard Richter - Editionen 1965-2011' sind jeweils bis zum 13. Mai zu sehen.

Die Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie präsentiert rund 130 Gemälde sowie fünf Skulpturen, die in enger Zusammenarbeit mit dem Maler ausgewählt wurden, wie Co-Kuratorin Dorothee Brill am Freitag sagte. Die Auswahl der Gemälde für die Retrospektive stelle das für Richters Schaffen typische Zwiegespräch zwischen Abstraktion und Figuration dar.

Richter gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Der eher medienscheue Künstler bezeichnete den Mies-van-der-Rohe-Bau, in dessen gläsernem Obergeschoss die Ausstellung arrangiert ist, als 'wundervoll'. Die chronologisch angeordnete Schau entstand in Kooperation mit der Tate Modern in London und dem Centre George Pompidou in Paris.

Betty' ist das populärste Motiv Richters

Im privaten Ausstellungshaus sind mehr als 150 Werke zu sehen. 'Zu Richters Editionen - also Originale, die in Auflage erschienen - gehören Druckgrafiken, Künstlerbücher und -plakate, Multiples, Foto- sowie Gemälde-Editionen', sagte einer der Kuratoren der Schau, Hubertus Butin. Dazu gehörten so bekannte Werke wie der Offsetdruck 'Betty' aus dem Jahr 1991. 'Das ist das populärste Motiv, das Richter je produziert hat. Es ist ein unglaublich verführerisches und sinnliches Bild von einem hübschen Mädchen, das auf ein graues, monochromes Bild im Hintergrund schaut', sagte Butin, der auch der Verfasser des Werkverzeichnisses der Editionen Richters ist. Dabei handelt es sich um ein gesichtsloses Porträt, weil sich die Frau vom Betrachter abwendet. 'Alle traditionellen Funktionen, die ein Porträt normalerweise hat, werden dadurch verneint'. Der Künstler bricht so mit der Definition des Porträts im klassischen Sinne.

Richter weitete seine Editionen beliebig weit aus. Das Motiv der 'Kerze' gibt es etwa als Gemälde Öl auf Leinwand, dann fotografierte Richter sein Werk und schuf einen Offsetdruck, den er wiederum mit schwarzer Ölfarbe in mehrfachen Ausführungen überrakelte. So entstehen vielfältige Werke in verschiedenen künstlerischen Genres, mit denen Richter vor allem ein Ziel verfolgte: Auszutesten, wozu die Kunst und der Künstler fähig sind. Und dann überschreitet er genau diese Grenze, um Neues zu schaffen.

Richter will nur noch kleine Bilder malen

Richter kündigte in der Neuen Nationalgalerie auf eine entsprechende Fragen an, in Zukunft wahrscheinlich nur noch kleine Bilder zu malen. Außerdem betonte er, dass er an keinem seiner Werke im Nachhinein etwas ändern würde. 'Das käme nie infrage', betonte Richter gut gelaunt. Welches der ausgestellten Kunstwerke er nie verkaufen würde, könne er nicht sagen. Aber vielleicht das Werk 'Gehöft' aus dem Jahr 1999, sagte der Künstler.

Ergänzend zur den beiden Ausstellungen ist in der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel der bekannteste Zyklus des Künstlers, das 15-teilige Werk '18. Oktober 1977' zu sehen.

dapd