Bei Männern bleiben psychische Störungen oft unentdeckt: Männer zwischen 40 und 50 erleiden fünf Mal so häufig einen Herzinfarkt wie Frauen, die Lebenserwartung des 'starken Geschlechts' liegt statistisch betrachtet etwa fünfeinhalb Jahre unter der von Frauen: Männer brauchen eine bessere medizinische Versorgung, wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Ersten Deutschen Männergesundheitsbericht hervorgeht.
Vergrößern Bei Männern bleiben psychische Störungen oft unentdeckt | Bild: © dapd

Berlin (dapd). Präventions- und Therapieangebote müssten stärker auf die Bedürfnisse von Männern ausgerichtet sein, heißt es weiter.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder erklärte, ein solcher Bericht sei 'dringend notwendig'. Die CDU-Politikerin verwies auf den Unterschied bei der Lebenserwartung: Studien zufolge sei nur ein Jahr davon biologisch erklärbar, viereinhalb Jahre also kulturell und sozial bedingt und 'damit veränderbar'. So komme der Bericht zu dem Schluss, dass die Arbeitswelt für Männer ein weitaus höheres Gesundheitsrisiko darstelle als für Frauen. Dies liege zum Teil daran, dass Männer häufiger in Berufen arbeiteten, in denen es zu Unfällen und Verletzungen kommen könne, oder auch häufiger Schichtarbeit leisteten. Aber es habe auch damit zu tun, dass bei Männern Selbstausbeutung und Mehrarbeit verbreitet sei. Männer setzten sich immer mehr unter Druck, was auch ihrer Gesundheit schade.

So sind psychische Erkrankungen bei Männern weit verbreitet, werden häufig aber nicht erkannt und bleiben deshalb unbehandelt, wie es weiter hieß. Dies liege auch daran, dass Männer Hilfe aus Angst vor Stigmatisierung nicht in Anspruch nähmen, sagte die Münchner Sozialwissenschaftlerin Anne Maria Möller-Leimkühler. Zudem äußerten sich psychische Störungen oft anders als bei Frauen - in Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Gewalttätigkeit oder einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Matthias Stihler, neben der Medizinerin Doris Bardehle von der Stitung Männergesundheit Mitherausgeber des Berichts, verwies darauf, dass die weitaus höhere Selbstmordrate von Männern kaum mal ein Thema sei.

Der Männergesundheitsbericht wurde initiiert von der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit sowie der Stiftung Männergesundheit. Darin würden bestehende Probleme aufgezeigt und Lösungsvorschläge gemacht, sagte Stihler. 19 Autoren und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen haben an der Studie mitgewirkt. Das Robert-Koch-Institut will im kommenden Jahr einen staatlichen Gesundheitsbericht mit weiteren medizinischen Details veröffentlichen.

dapd