Mainz (dapd-rps). Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus dazu aufgerufen, mit Zivilcourage jeder Diskriminierung von Minderheiten entgegenzutreten. An die 'unendlich gnadenlosen Verbrechen der NS-Diktatur' zu erinnern und entschlossenes Handeln seien zwei Seiten der Medaille, sagte Beck am Freitag im Landtag in Mainz. Beides müsse konsequent umgesetzt werden.
Der Ministerpräsident forderte vor allem junge Menschen auf, die Gedenkstätten in ehemaligen Konzentrationslagern zu besuchen, um sich ein Bild vom Ausmaß der Verbrechen zu machen. Heute noch existentes braunes Gedankengut müsse mit den Mitteln des Rechtsstaates bekämpft werden, sagte Beck mit Blick auf die Morde der Zwickauer Terrorzelle. Er sprach sich erneut für ein NPD-Verbotsverfahren aus.
Der Landtag erinnert in diesem Jahr besonders an das Schicksal von Sinti und Roma. Landtagspräsident Joachim Mertes (SPD) sagte, dass der Völkermord an dieser Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg in der deutschen Öffentlichkeit lange keine Rolle gespielt habe und sogar geleugnet worden sei. Die Opferentschädigungen seien beschämend gewesen, betonte Mertes. Zur Achtung der Opfer gehöre aber nicht nur, dass die Überlebenden unterstützen würden, sondern man müsse sich auch die Geschichte des Leidens der Minderheit vor Augen führen, fügte er hinzu.
Der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes deutscher Sinti und Roma, Jacques Delfeld, sagte, noch heute würden Sinti und Roma in vielen Ländern verfolgt. So gebe es rassistische Ausschreitungen in Rumänien oder Mordanschläge in Ungarn. Auch in Deutschland hätten die Mitglieder der Minderheit oft Probleme beim Studium oder am Arbeitsplatz. 'Es ist an der Zeit, dass der Antiziganismus ebenso von Politik und Gesellschaft geächtet wird wie der Antisemitismus', forderte Delfeld. Er sprach sich zudem für die Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer rassistischer Verbrechen in Mainz aus. Dafür werde er sich gemeinsam mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden einsetzen, kündigte er an.
Der Landtag gedenkt seit 1998 auf Anregung des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, der Holocaust-Opfer.
dapd


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