Nein, gefeiert habe sie nicht groß. Aber sie habe sich sehr auf die Herausforderung gefreut, beschreibt Kerstin Emrich ihre Gefühle, nachdem sie den Ruf zur sogenannten Juniorprofessur erhalten hatte. «Für mich ändert der Titel eigentlich nicht viel. Es bleiben immerhin dieselben Räume und dieselben Studenten, die ich bereits zuvor während meiner Dissertation unterrichtet habe», merkt die junge Frau aus Oberfranken bescheiden an.
Emrich, Jahrgang 1982, ist den meisten ihrer Altersgenossen weit voraus: Laut statistischem Bundesamt waren die Hochschulabsolventen im Jahr 2007 im Schnitt 27,6 Jahre alt - also älter als Emrich es jetzt als Professorin ist. Trotzdem ist die zierliche Frau mit den dunklen Haaren auf dem Boden geblieben: «Die Studenten haben sich schon mit mir gefreut und gratuliert. Aber in meinem Freundeskreis war das alles nicht so wichtig.»
Seit April steht nun ein «Prof.» vor Kerstin Emrichs Namen. Ob sie den Professorentitel für immer behalten darf, ist allerdings noch ungewiss. Anders als bei einer herkömmlichen Professur ist die sogenannte Juniorprofessur zunächst auf drei Jahre befristet und kann dann, nach einer Eignungsprüfung, noch einmal für drei Jahre verlängert werden. «Das zu schaffen, ist erst einmal mein nächstes großes Ziel», erklärt Emrich, die sich selbst als eine sehr zielstrebige Person beschreibt.
2007 schloss sie ihr Magisterstudium nach nur neun Semestern inklusive Praktika in den Fächern Buchwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft an der Uni Erlangen mit der Note 1,16 ab. Im Anschluss daran bekam sie eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Buchwissenschaft und verfasste ihre Dissertation, weshalb ihr in Kürze auch der Doktortitel verliehen wird.
Soviel Erfolg braucht viel Leidenschaft: Die Wissenschaft bringt die junge Akademikerin zum Schwärmen und sie berichtet mit lebhaften Gesten von ihrem Fach. «Mein fachliches Interesse an der Buchwissenschaft ist mir seit dem ersten Semester geblieben. Ich finde es äußerst spannend zu untersuchen, welche Funktion Bücher in unserer Gesellschaft einnehmen oder warum beispielsweise manche Menschen gerne lesen.» In der Buchwissenschaft gehe es um das Buch als Objekt und nicht um textliche Inhalte, wie sie betont.
«Kerstin Emrich hat momentan unglaublich viel zu tun», berichtet ihr Kollege Günther Fetzer, ebenfalls Dozent am Institut. Fetzer attestiert Emrich eine «völlig uneitle und stressresistente Art». Als Juniorprofessorin müsse sie auch viel Bürokratie bewältigen und sei daher nicht nur fachlich gefordert. «Bei Institutsbesprechungen ist sie stets eine der Lebhaftesten und bringt sich mit zielorientierten Ideen und Lösungsvorschlägen ein.» Auch das werde an ihr sehr geschätzt, sagt Fetzer.
Fachlich hat sich Emrich vor allem auf wirtschaftliche Aspekte der Buchwissenschaft spezialisiert. Ihre Einstandsvorlesung in der kommenden Woche, auf die sie sich schon freut, dreht sich daher um Buchmärkte im internationalen Vergleich. Auch privat liest sie sehr gerne, allerdings meist Fachliteratur und weniger Unterhaltungsromane. «Die lese ich gelegentlich im Urlaub, aber ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal im Urlaub war», fügt Emrich mit einem entschuldigenden Lächeln hinzu.
Ein Lieblingsbuch kann sie nicht nennen, es müsse lediglich gut ausgestattet sein, etwa mit Hardcover und Leseband. Dafür hat die junge Professorin ein «Anti-Buch» vorzuweisen: «Englische Taschenbücher finde ich einfach grauenhaft!»
Erlangen (ddp-bay)


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