Bauern erwarten erhebliche Ernterückgänge: Für den Anbau von Spargel und Erdbeeren sind die Witterungsbedingungen der vergangenen Wochen alles andere als optimal gewesen. Die Ernte liegt deutlich hinter dem üblichen Zeitplan zurück, und einige Bauern müssen mit Ernterückgängen von bis zu 50 Prozent rechnen. Insgesamt seien die Landwirte aber «mit einem blauen Auge» davongekommen, heißt es beim Bayerischen Bauernverband.
Vergrößern Bauern erwarten erhebliche Ernterückgänge | Bild: © ddp

Für den Geschmack war das nass-kalte Wetter sogar förderlich.

Josef Plöckl, Vorsitzender des Spargelerzeugerverbandes Südbayern, kann sich an ähnlich tiefe Temperaturen zu dieser Jahreszeit in den vergangenen 40 Jahren nicht erinnern. Dennoch sei beim Spargel die Ernte der Bauern je nach Region und nach Anbauart sehr unterschiedlich, sagt Plöckl. «Die armen Teufel, die keine Abdeckung auf den Feldern benutzten, haben bis zu 50 Prozent weniger.» Allerdings hätte die Mehrheit der 200 im Verband vertretenen Landwirte die zusätzlichen Investitionen nicht gescheut und den Spargel unter speziellen Schutzfolien wachsen lassen.

Unter der Folie wird auch bei niedrigen Außentemperaturen Wärme gespeichert. Etwa die Hälfte der Spargelbauern in der Region um Schrobenhausen nutzte sogar zwei übereinandergespannte Folien. «Sie hatten eine gute Ernte», betont Plöckl. Sie könnten in etwa den guten Schnitt von 4000 Kilogramm pro Hektar erzielen.

Das Landwirtschaftsministerium geht nach ersten, groben Schätzungen regional von Ernterückgängen beim Spargel von 30 bis 50 Prozent aus. Theo Däxl, Obst- und Gemüseexperte beim Bayerischen Bauernverband, relativiert die Einschätzung ein wenig. «Normalerweise hätten alle Betriebe längst aufgehört», sagt er. Weil die Ernte aber noch andauere, könne man noch nicht sagen, welche Mengen heuer erzielt würden.

Immerhin hatte die andauernde Kälte für die Qualität des Gemüses auch ihr Gutes. «Im vergangenen Jahr gab es viele hohle Stangen, weil die Nächte kalt und die Tage heiß waren», erinnert sich Däxl. Diese «extrem unterschiedlichen Wachstumsphasen» kamen in diesem Jahr nicht vor. Die Qualität, so die einhellige Meinung, sei in diesem Jahr sehr gut. «Weil die Pflanzen langsamer reifen», erklärt Spargel-Experte Däxl. Viele Spargelpflanzen seien noch kräftig, so dass bis in die kommende Woche geerntet werden könne.

Dass dies auch tatsächlich geschieht, glaubt Verbandschef Plöckl allerdings nicht. Viele Bauern würden die Ernte am Wochenende einstellen, glaubt er, und nicht bis zum 24. Juni, dem offiziellen Ende der Spargelsaison, warten.

Auch das Wachstum der Erdbeeren verzögerte sich. Durch die niedrigen Temperaturen startete die Ernte nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums zwar etwa drei Wochen später, negative Auswirkungen auf die Qualität soll es aber nicht geben. Ganz im Gegenteil: «Durch die Kälte sind die Erdbeeren nicht schnell getrieben», sagt Verbandsexperte Däxl. «Sie hatten viel Zeit, Aroma einzulagern.»

Noch habe es zwar keine «riesigen Ernten» gegeben, weshalb bislang keine Schätzungen über Erträge vorliegen, aber: «Es gibt genug Früchte», sagt Däxl. Viele Menschen, die auf die Felder zum Pflücken kämen, seien überrascht von der Menge an reifen Beeren. Noch halte das schlechte Wetter allerdings viele Pflücker davon ab. Den Früchten hingegen macht die Nässe nach Angaben von Däxl nichts aus: «Eine Pflanze, die wächst, braucht Regen.» Sollte es allerdings noch vier Wochen weiterregnen, dann werde die Ernte «nicht gut.»

ddp