Gotha (dapd-lth). Im Falle Schloss Friedenstein wird jedoch schnell klar, dass im kleinen Gotha ein - von der Welt weitgehend unbeachtetes - geschichtliches Erbe von Weltrang schlummert, dessen Erweckung jedoch nur noch eine Frage der Zeit sein könnte.
'Ich bin mit dem Fortgang der Bauarbeiten glücklich und absolut zufrieden', kommentiert Eberle den Verlauf der bisherigen Umbauten. 'Es ist ein Glücksfall, dass in Zeiten wie diesen ein solches Projekt in Gotha in Angriff genommen wurde. Mittlerweile zeichnet sich ab, wie gigantisch das Barocke Universum sein wird.' Innerhalb der kommenden zwei Jahre sollen die wichtigsten Sanierungen abgeschlossen sein. Dann wird neben dem eigentlichen Schloss Friedenstein auch des Herzogliche Museum ein fester Anziehungspunkt werden, ist sich Eberle sicher.
Neben der schieren Menge ist es vor allem die Unversehrtheit, die Gotha zu etwas Einzigartigem machen: Seit rund 350 Jahren sind hier am historischen Ort alle Sammlungen erhalten geblieben - inklusive der originalen barocken Bühnenmaschinerie im Eckhof-Theater, die bei den regelmäßigen Aufführungen bis heute in voller Aktion bewundert werden kann.
Im Prinzip besteht das Gothaer Universum aus drei Eckpfeilern: In das ehemalige herzogliche Museum - einem der ersten repräsentativen Museumsbauten Deutschlands - soll 2013 die erlesene Kunstsammlung einziehen, die den Herzögen von Sachsen-Gotha seinerzeit Weltruhm einbrachte. Unter anderem mit Skulpturen von Houdon und Adriaen de Vries, Gemälden von Cranach und einer umfangreichen Sammlung japanischer Lacke und Porzellane.
Für das Schloss selbst wird das nahegelegene Perthes-Forum, die ehemaligen Geschäftsräume des gleichnamigen Verlages, ab 2014 für Entlastung sorgen. Momentan sei Friedenstein bis buchstäblich unter die Decke mit Kunstwerken, naturkundlichen Exponaten und den 560.000 Büchern der Forschungsbibliothek und des thüringischen Staatsarchivs angefüllt, erklärt Eberle. Nicht nur wegen der Feuergefahr, sondern auch wegen des Schwammbefalls ein unhaltbarer Zustand.
Einmal von den Lasten befreit, wird unter anderem das Naturkundemuseum, in dessen Bestand erst kürzlich ein seltenes Exemplar des ausgestorbenen Java-Kiebitzes entdeckt wurde, mehr Raum bekommen - ebenso wie das mehr als 100.000 Stücke zählende, stark goldlastige Münzkabinett und ein Teil der Kunstsammlung.
Ein Kapitel für sich ist auch die Forschungsbibliothek, die neben einem umfassenden Bestand geistlicher Schriften in ihren prunkvollen Räumen eine der größten deutschen Sammlungen von Leichenpredigten beherbergt. 'Wir brauchen den Vergleich mit Wolfenbüttel oder Berlin nicht zu scheuen', sagt der Leiter der Abteilung Drucke, Wolfgang Runschke selbstbewusst. Und was die Schönheit der Räumlichkeiten angeht, lassen sich die Friedensteiner Räume durchaus mit der um einiges prominenteren Konkurrenz in Weimar vergleichen.
Den Wert des Gothaeschen Erbes haben auch die Verantwortlichen in der Politik erkannt. So wurde eigens für das Vorhaben in Gotha ein Sonderinvestitionsprogramm in Höhe von 30 Millionen Euro aufgelegt. An keinem anderen Ort sei die Entwicklung höfischer Kunst und Kultur so beeindruckend nachvollziehbar wie in Gotha, sagt ein Sprecher des Kultusministeriums.
Auch Kultusminister Christoph Matschie (SPD) hat große Erwartungen: Das barocke Universum sei eine 'Perle', die schon bald in neuem Glanz erstrahlen werde. 'Das eröffnet uns die Möglichkeit, Gotha zu einem national beachteten Magneten der Thüringer Kulturlandschaft zu machen'. Neben einer touristischen Attraktion soll Gotha dann auch ein Anziehungspunkt für Barock-Forscher aus aller Welt werden. Mit dem Ausbau des Perthes-Forums ist nun ein weiterer Schritt getan.
dapd


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