Dem 23-Jährigen, der der linksradikalen Szene angehören soll, wurde vorgeworfen, im Juni 2009 in Friedrichshain gemeinsam mit einem Komplizen ein Auto in Brand gesetzt zu haben. Beide waren in der Nähe des Brandortes festgenommen worden. Die Spuren an Kleidung und Händen hatten zur Festnahme geführt.

Das Gericht habe sich keine sichere Überzeugung zur Brandursache bilden können, hieß es im Urteil. So sei das Auto ohne technische Untersuchung «zur Verschrottung freigegeben worden». Dass es Brandstiftung gewesen sein soll, sei eine auf «Erfahrung gestützte Annahme» der Polizei.

Auch die Spuren an Kleidung und Händen ließen keinen «tragfähigen Schluss» auf die Täterschaft des Angeklagten zu, urteilte die Kammer. Letztlich bleibe ungeklärt, ob das Fahrzeug von einer Person in Brand gesteckt wurde oder ein technischer Defekt Auslöser gewesen sei. Ein Gutachter hatte dies nicht ausschließen können.

Es bleibe nur das «auffällige Verhalten» des Angeklagten und seines Begleiters. Polizisten hatten sie in Tatortnähe gesehen und beobachtet, wie sie mehrfach ihre Kleidung wechselten. Doch dies reiche für eine Verurteilung nicht aus, sagte die Richterin. Sie verwies im Urteil auf einen zweiten Brand, der sich nach der Festnahme des 23-Jährigen in «zeitlich und räumlicher Tatortnähe» ereignet hatte.

Im Prozess hatte der Angeklagte zu den Vorwürfen geschwiegen. Das Urteil entspricht den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der junge Mann saß drei Monate in Untersuchungshaft. Das Gericht ordnete eine Haftentschädigung an.

In einem ähnlichen Fall hatte das Landgericht Berlin im November vergangenen Jahres bereits eine 21-Jährige vom Vorwurf der Brandstiftung an einem Fahrzeug freigesprochen. Das Gericht hatte damals ebenfalls erhebliche Zweifel an der Täterschaft der Angeklagten und konnte nicht ausschließen, dass die «falsche Person» festgenommen worden war.

Im vergangenen Jahr hatte es in Berlin eine Serie von Brandanschlägen auf Fahrzeuge gegeben. Bei insgesamt 191 vermutlich politisch motivierten Brandanschlägen wurden 296 Fahrzeuge beschädigt. Zu mehreren Taten gingen Bekennerschreiben aus der linken Szene ein.

ddp/beb/kos