Magdeburg (dapd-lsa).
Seine Dissertation beginnt dort, wo Forschung in der Vergangenheit oft aufhörte. 'Ich habe mich ganz bewusst mit den täglichen Problemen, den Gefühlen einzelner Menschen beschäftigt.'
Wissen wollte Abrahams-Sprod, wie es war, wenn Frauen zum Einkaufen gingen oder mit welchen Gedanken jüdische Beamte ihren Rauswurf aus der öffentlichen Verwaltung erlebten. Schnell habe er sich bei der Suche nach dem 'passenden Ort' für seine Forschungen für eine Stadt in Ostdeutschland entschieden. 'Bis 1989 waren die Archive für Wissenschaftler aus dem Westen nahezu tabu.' Für den Mann mit deutsch-jüdischen Wurzeln sei dies reizvoll und spannend gewesen. Magdeburg, Dessau, Halberstadt oder Schönebeck fielen in die engere Wahl. Emigranten aus diesen Orten waren auch nach Australien gekommen.
1996 begann das umfassende Projekt, das den Historiker mehr als ein Jahrzehnt beschäftigen sollte. 15 Überlebende des Holocaust aus Magdeburg machte er ausfindig, besuchte sie in Sydney und anderen Städten Australiens. Weit mehr als 60 Stunden Interviews wurden geführt. Freundschaften mit einst fremden Familien entstanden daraus, die bis heute blieben. Zwei Überlebende lernte er kennen, die bis 1947 in Magdeburg lebten und unter schwersten Bedingungen den Nationalsozialismus überstanden. Erst nach Kriegsende emigrierten sie nach Australien.
'Damals war Magdeburg für mich unbekannt. Ich hatte kein Gefühl für die Stadt, kannte Straßennamen, mehr nicht', sagt der 47-jährige. Erstmals war der Historiker 1999 nach Magdeburg gekommen und fand ausreichend Material in den Archiven. Manchmal habe es zwar Lücken gegeben, doch letztlich reichte die Zeit kaum, um alles aufzuarbeiten. 'Mein Hauptproblem war die Zeit, da galt es zu sichten und zu kopieren', berichtet er.
Im April 1942 begann die größte Deportation von Magdeburger Juden ins Warschauer Ghetto. Aus dieser Zeit entdeckte der Wissenschaftler Briefe und Postkarten, konnte so den Weg der Opfer und ihre Gefühle nachvollziehen. Vereinzelt gab es auch Kontakte von Nichtjuden zu den Deportierten, wurden sogar Pakete mit Lebensmitteln geschickt, sagt Abrahams-Sprod. Sein Buch verknüpfe persönliche Schicksale mit Archivdokumenten. Zudem schließe es eine Lücke in der Geschichte Magdeburgs.
dapd


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