Lorsch (ddp-hes). Langsam bahnt sich der cremefarbene Oldtimer seinen Weg durch die sattgrüne Landschaft. Zu seiner Linken plätschert langsam ein Flüsschen, zu seiner rechten erstrecken sich Felder und Wiesen, unterbrochen von Gebüsch und Baumgruppen. Am Horizont zeichnen sich sanfte Hügel ab. «Hier ist es sehr romantisch und ein bisschen flach, das kann man gut als Pommern verkaufen», sagt Regisseur Uwe Boll über die Landschaft der hessischen Bergstraße, die zum wiederholten Mal die Kulisse für einen Film abgibt. Boll lässt hier einige Außenaufnahmen für seinen neuesten Film drehen, eine Biografie der Box-Legende Max Schmeling mit dem ehemaligen Profiboxer Henry Maske in der Hauptrolle.
Rund 35 Drehtage liegen bereits hinter der Filmcrew. Die Boxszenen sind längst im Kasten, ebenso die Szenen, die auf Schmelings Gut Ponickel spielen. Hierfür diente ein Gutshof bei Wiesbaden als Kulisse. Da die dortige Landschaft wegen der vielen Weinberge nicht als Pommern durchging, musste für die Ausfahrten mit dem Cabrio an die Bergstraße ausgewichen werden. Die sogenannten Location-Scouts wurden schließlich am Flüsschen Weschnitz bei Lorsch fündig. Eine gute Wahl, findet Schmeling-Darsteller Maske: «Wir haben hier eine tolle Location gefunden, wo wir Schmelings altes Gutsgebiet in Pommern wieder aufleben lassen können.»
Dass Teile der Filmbiografie in Hessen gedreht werden, liegt am Engagement von HessenInvestFilm, einem Landesfonds zur Förderung kommerzieller Filmprojekte. Für «Max Schmeling - Der Film» gab der Fonds 650 000 Euro.
Dass immer wieder Filmproduktionsfirmen an die Bergstraße kommen, ist nicht nur der Landschaft zu verdanken. Eine deutsch-indische Filmagentur bemüht sich ganz gezielt um die Vermarktung der Bergstraßenidylle als Filmkulisse. «Eigentlich sind wir ja bekannt dafür, dass hier Bollywood-Filme gedreht werden», sagt Landrat Matthias Wilkes (CDU) und fügt nicht ohne Stolz hinzu: «Aber wir sind eben flexibel.» Die Wirtschaft in der Region freut es. Unternehmen profitieren von den Filmcrews, indem sie ihnen Dienstleistungen wie beispielsweise Verpflegung anbieten. «Außerdem hat das natürlich einen starken regionalen Effekt für den Tourismus», fügt Diana Schilling von der Wirtschaftsförderung Bergstraße hinzu.
Während die hier gedrehten Bollywood-Filme vor allem in Indien populär sind, dürfte die Schmeling-Filmbiografie hauptsächlich in Deutschland ihr Publikum finden. Regisseur Uwe Boll wird von Kritikern zwar immer wieder als schlechtester Regisseur der Welt bezeichnet. Doch es ist ihm gelungen, ein Starensemble für den Film zu gewinnen. Neben Henry Maske als Schmeling spielen Susanne Wuest (als Schmelings Ehefrau Anny Ondra) und Heino Ferch (als Schmelings Trainer) mit.
Besonders die Verpflichtung von Maske wurde zunächst belächelt. Schließlich verfügte der 45-Jährige über keinerlei Schauspielerfahrung. Allerdings wird ihm von Experten eine starke Ähnlichkeit zu Schmeling nachgesagt. «Henry ist genau der gleiche Typ wie Schmeling und er hat genau dieselbe Stimme. Die Ähnlichkeit ist wirklich frappierend», findet beispielsweise Franz Müller, ein ehemaliger Boxer und Bekannter von Max Schmeling. Der Heppenheimer ist nach Lorsch gekommen, um sich die Dreharbeiten anzuschauen.
Die Ähnlichkeit Maskes mit Schmeling war auch für Regisseur Boll der Grund, den ehemaligen Profiboxer zu verpflichten. Beim acht Monate dauernden Schauspielunterricht sei es vor allem darum gegangen, Maske klar zu machen, dass er eigentlich nur sich selbst spielen müsse. «Und das hat er geschafft», findet Boll. Maske selbst zieht ein positives Resümee seines Ausflugs ins Schauspielfach: «Ich habe da eine Erfahrung gemacht, die ist wunderbar.»
Eine Erfahrung, die zunächst zu Ende ist. Mit den Außenaufnahmen von der Bergstraße sind alle Szenen abgedreht. Im Kino soll «Max Schmeling - Der Film» im Frühjahr 2010 zu sehen sein.
(ddp)


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