Wahlen, Präsident

Washington - Der US-Wahlkampf geht in seinen letzten Monat - und die Kandidaten zerfleischen sich.

10.10.2016 - 06:52:05

Donald Trump gibt sich noch nicht geschlagen

Die Atmosphäre des zweiten von drei TV-Duellen zwischen Donald Trump und Hillary Clinton war geprägt von dem Skandal um ein Video mit sexistischen Äußerungen Trumps, das kurz zuvor veröffentlicht worden war. Doch Trump gibt nicht auf. Die wichtigsten Fragen zum US-Wahlkampf auf der Zielgeraden.

Nach Bekanntwerden des Videos mit frauenfeindlichen Äußerungen Trumps bezeichneten viele Kommentatoren den US-Wahlkampf als gelaufen; ist das nach dem zweiten TV-Duell noch haltbar?

Trumps Wahlkampf wird von dem Video und von seiner nur halbherzigen Entschuldigung sicher belastet. Die Debatte am Sonntag hat aber gezeigt: Trump kann einstecken und denkt gar nicht ans aufgeben. Der CNN-Kommentator John King bescheinigte ihm in St. Louis einen «definitiv stärkeren Auftritt» als bei der ersten TV-Debatte, die er vor zwei Wochen klar verloren hatte.

Trumps Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence, zuletzt kritisch gegenüber Trump, gratulierte ihm zu einem «großen Sieg». In einer CNN-Blitzumfrage sahen zwar 57 Prozent Clinton vorn, 63 Prozent aber waren von Trump positiv überrascht. Wie schon im Vorwahlkampf bediente Trump bewusst seine Klientel. Unsicher ist, ob das reicht, um die schwachen Umfragewerte bis zum 8. November zu drehen.

Wer hält vier Wochen vor dem Wahltermin noch zu Trump?

Trump hat großen Rückhalt in seiner Familie, was in der Öffentlichkeit zählt. Vor allem seine Tochter Ivanka, sein Sohn Eric und die Ehefrau Melanie weichen nicht von seiner Seite und zeigen demonstrative Solidarität - auch wenn der Weg nicht leicht ist. Zählen kann er auch auf die Anti-Establishment-Fraktion bei den Republikanern, seinen engeren Zirkel. Dazu gehören New Jerseys Gouverneur Chris Christie und der frühere Neurochirurg Ben Carson, zwei seiner Kontrahenten im Vorwahlkampf. Ted Cruz, schärfster Widersacher bei den Vorwahlen, hat sich zumindest nicht distanziert.

Und wer führt die Absetzbewegung an?

Der Rückhalt in der Republikanischen Partei ist sicher gesunken. Ein Teil der Partei denkt schon an das Wahljahr 2020. Ein anderer fürchtet, von Trump in einen Abwärtsstrudel gezogen zu werden, der die Wiederwahl vieler Abgeordneter im Senat oder Repräsentantenhaus gefährdet. Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, und der Parteiveteran und Senator John McCain stehen an der Spitze der Trump-Kritiker bei den Republikanern. Aber auch aus den streng christlichen Staaten, etwa aus der Mormonen-Hochburg Utah, kommt heftige Kritik.

War die Veröffentlichung des kompromittierenden Videos das Ergebnis einer innerparteilichen Verschwörung gegen Trump?

Der Verdacht kam auf - immerhin war Trumps Gesprächspartner in dem Video der TV-Moderator Billy Bush, ein Cousin des Ex-Präsidenten George W. Bush und seines Bruders Jeb Bush, der sich gegen Trump um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner beworben hatte. George wie Jeb Bush gelten als ausgesprochene Kritiker Trumps, beide haben ihrem «Parteifreund» die Unterstützung versagt. Anhänger Trumps beklagten, das Video sei ein bewusster Schlag des Partei-Establishments gegen Trump. Doch Billy Bush wurde inzwischen selbst Opfer der Veröffentlichung; der Sender NBC suspendierte ihn.

Wie geht der Wahlkampf in seinen letzten vier Wochen nun weiter? Wird er noch schmutziger?

Das am Freitag bekanntgewordene Video, Trumps Antwort mit den Hinweis auf die Skandale Bill Clintons und eine enorm persönlich geführte TV-Debatte mit herben Angriffen beider Kandidaten - viel tiefer kann das Niveau der Debatte fast nicht mehr sinken. In der aufgeheizten Atmosphäre scheint eine rein sachliche inhaltlich Auseinandersetzung kaum denkbar. In den vergangenen Tagen gab es bereits Hinweise, dass weitere kompromittierende Videomitschnitte aus Trumps Vergangenheit auftauchen könnten. Und die Enthüllungsplattform Wikileaks kündigte an, weitere E-Mails der Ex-Außenministerin Clinton publik zu machen.

@ dpa.de

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