Wahlen, Präsident

St.

10.10.2016 - 16:14:06

TV-Duell zwischen Trump und Clinton wird zur Schlammschlacht. Louis - Im zweiten TV-Duell haben sich die beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton eine erbitterte Auseinandersetzung voller persönlicher Angriffe geliefert.

Der Republikaner Trump, zuletzt wegen eines Videos mit sexistischen Äußerungen aus dem Jahr 2005 in die Defensive geraten, forderte sogar eine Haftstrafe für seine Gegnerin wegen ihrer E-Mail-Affäre. Die Demokratin Clinton bezichtigte Trump ihrerseits mehrmals, falsche Angaben zu machen. «Er lebt in einer parallelen Realität», sagte sie.

Einer Blitzumfrage des Senders CNN zufolge hat Clinton die zweite von drei Debatten mit 57 Prozent gewonnen. Trump kam auf 34 Prozent. Die Demokratin schnitt

Um das am Freitag aufgetauchte Video ging es gleich in der ersten Frage aus dem Publikum. In dem Video ist unter anderem zu hören, wie Trump erklärt, als «Star» könne er sich Frauen gegenüber alles erlauben, auch den Griff an ihre Geschlechtsteile. Er hatte sich dafür entschuldigt. «Es ist mir sehr peinlich», sagte der 70-Jährige. Dann erklärte er, es gebe viel wichtigere Dinge, wie etwa den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Seine Äußerungen bezeichnete er als «Umkleidekabinen-Gespräche».

Clinton sagte hingegen, sie seien bezeichnend für Trumps Persönlichkeit. «Jedem, der (das Video) gehört hat, ist klar, dass das genau ausmacht, wer er ist», sagte die 68-Jährige.

Trump war bereits kurz vor dem Duell in die Offensive gegangen und überraschend vor die Medien getreten - mit vier Frauen an seiner Seite, von denen drei den Ehemann der Demokratin und Ex-Präsidenten Bill Clinton sexueller Übergriffe beschuldigen. Die vierte war 1975 als Zwölfjährige nach eigenen Angaben vergewaltigt worden. Hillary Clinton hatte als Anwältin den mutmaßlichen Täter vertreten. Die Frauen saßen während der Debatte im Publikum. Dort sagte Trump, Bill Clinton habe sich viel schlimmer verhalten als er. Bei ihm selbst gehe es nur um Worte, bei Clinton um Taten.

Beim Thema Syrien widersprach Trump seinem Stellvertreter Mike Pence. Der Gouverneur von Indiana hatte in der Debatte der Vizekandidaten am Dienstag gesagt, die USA müssten bereit sein, eine humanitäre Katastrophe in Aleppo mit Militärschlägen gegen das syrische Regime von Baschar al-Assad abzuwenden. Als die Moderatoren Martha Raddatz und Anderson Cooper ihn darauf ansprachen, erklärte Trump: «Er und ich haben nicht miteinander gesprochen, und ich stimme dem nicht zu.» Aleppo sei im Grunde bereits gefallen, fügte er hinzu. Über den syrischen Machthaber sagte er: «Ich mag Assad überhaupt nicht, aber Assad tötet den IS.»

Pence hatte Trump am Samstag für die sexistischen Äußerungen in dem Video kritisiert. Nach der Debatte gratulierte er ihm. Am Montagmorgen sagte er dem Sender CNN, er habe nie erwogen, aus dem Wahlkampf auszusteigen. Es sei die größte Ehre seines Lebens, Vizekandidat des Unternehmers zu sein.

Trump drohte Clinton zudem mit einer neuen Untersuchung zu ihrer E-Mail-Affäre. «Ich werde den Generalstaatsanwalt bitten, einen Sonderermittler damit zu beauftragen, diese Sache anzuschauen, weil es nie zuvor so viele Lügen gab, so viel Betrug.» Clinton hatte als Außenministerin dienstliche E-Mails über einen privaten, ungesicherten Server verschickt. Trump erklärte, Clinton würde schon längst im Gefängnis sitzen, wäre er für die Gesetze zuständig. Seine Beraterin Kellyanne Conway war am Montagmorgen bemüht, diese Aussage kleinzureden. Trump habe das als Witz gemeint, sagte sie dem Sender MSNBC.

In der Diskussion um die Behandlung von Muslimen in den USA forderte Clinton in der Debatte mehr Toleranz. «Meine Vision von Amerika ist ein Amerika, in dem jeder einen Platz hat.» Trump bekräftigte dagegen, dass Muslime vor der Einreise in die USA «extrem» überprüft werden müssten.

Trump gab zu, im Anschluss an einen Verlust in Höhe von 916 Millionen Dollar über Jahre Schlupflöcher genutzt zu haben, um keine Einkommensteuer auf Bundesebene zahlen zu müssen. Hillary Clinton habe dies als Senatorin in New York selbst ermöglicht. «Die Leute, die ihr all das Geld geben, wollen das so», sagte der Milliardär mit Blick auf Clintons reiche Wahlkampfspender.

@ dpa.de

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