Migration, Flüchtlinge

Flüchtlingslager am Ärmelkanal.

24.10.2016 - 17:56:06

«Dschungel» von Calais: Räumung ohne größere Proteste. In der Nacht brennen Mülltonnen in dem wilden Flüchtlingscamp in Calais. Am Morgen prägen lange Schlangen vor dem Registrierzentrum das Bild. Erwartete Proteste bleiben zunächst aus.

  • Flüchtlingslager Calais - Foto: Etienne Laurent

    Das wilde Flüchtlingslager in Calais wird geräumt. In der Nacht kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Flüchtlingen, die gegen die Räumung protestieren. Foto: Etienne Laurent

  • Einsatz in Calais - Foto: Arnulf Stoffel

    Französische Polizisten sind angerückt, um das Flüchtlingslager in Calais zu räumen. Foto: Arnulf Stoffel

  • Warten - Foto: Etienne Laurent

    Auf gepackten Koffern: Flüchtlinge und Migranten warten darauf, dass sie von Sicherheitskräften aus dem Lager in Calais abgeholt werden. Foto: Etienne Laurent

  • Risikoreich - Foto: Behörden und Polizisten stufen die Auflösung der Hütten- und Zeltstadt mit Tausenden Bewohnern vor den Toren von Calais als risikoreich ein. Foto: Etienne Laurent

    Behörden und Polizisten stufen die Auflösung der Hütten- und Zeltstadt mit Tausenden Bewohnern vor den Toren von Calais als risikoreich ein. Foto: Etienne Laurent

  • Auf Gelegenheiten warten - Foto: In dem Camp in Nordfrankreich hatten zuletzt etwa 6500 Menschen in Zelten und Hütten gelebt. Sie wollten von dort illegal nach Großbritannien gelangen. Foto: Etienne Laurent

    In dem Camp in Nordfrankreich hatten zuletzt etwa 6500 Menschen in Zelten und Hütten gelebt. Sie wollten von dort illegal nach Großbritannien gelangen. Foto: Etienne Laurent

  • Räumung - Foto: Etienne Laurent

    Die Räumung des Flüchtlingscamps soll etwa eine Woche dauern. Die Menschen dürfen zwischen zwei vorgegeben Regionen in Frankreich wählen - ausgenommen sind Paris und Korsika. Foto: Etienne Laurent

  • Räumung - Foto: Etienne Laurent

    Die französischen Behörden betonten immer wieder, dass sie bei der Räumung des Flüchtlingslagers «humanitär» vorgehen. Man setze laut Innenministerium darauf, dass sich die Menschen freiwillig melden. Foto: Etienne Laurent

Flüchtlingslager Calais - Foto: Etienne LaurentEinsatz in Calais - Foto: Arnulf StoffelWarten - Foto: Etienne LaurentRisikoreich - Foto: Behörden und Polizisten stufen die Auflösung der Hütten- und Zeltstadt mit Tausenden Bewohnern vor den Toren von Calais als risikoreich ein. Foto: Etienne LaurentAuf Gelegenheiten warten - Foto: In dem Camp in Nordfrankreich hatten zuletzt etwa 6500 Menschen in Zelten und Hütten gelebt. Sie wollten von dort illegal nach Großbritannien gelangen. Foto: Etienne LaurentRäumung - Foto: Etienne LaurentRäumung - Foto: Etienne Laurent

Calais - Die Auflösung des illegalen Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais ist entgegen den Befürchtungen ruhig angelaufen. Bis zum Mittag wurden nach Angaben der Behörden etwa 700 Menschen mit Bussen in andere Regionen des Landes gebracht.

Innenminister Bernard Cazeneuve zog eine positive Zwischenbilanz der Aktion: «Wir möchten, dass sie ruhig und beherrscht abläuft. Das ist im Augenblick der Fall.»

In der wilden Zelt- und Hüttensiedlung, die unter dem Namen «Dschungel» bekannt geworden war, hatten sich in den vergangenen Jahren Flüchtlinge gesammelt, die illegal über den Ärmelkanal Großbritannien erreichen wollten. Zuletzt hatten dort etwa 6500 Menschen gelebt. Die meisten kamen aus Ländern wie Afghanistan, Äthiopien, Eritrea und dem Sudan.

Noch in der Nacht hatten in dem Camp Mülltonnen gebrannt. Es war zu Zusammenstößen gekommen, als Migranten versucht hatten, auf eine nahegelegene Autobahn zu gelangen. Die Polizei hatte sie zurückgedrängt und dabei auch Tränengas eingesetzt. Verletzt wurde nach Angaben der Behörden allerdings niemand.

Auch am Tag kam es vor dem Registrierzentrum in der Nähe des Camps vereinzelt zu Rangeleien zwischen den Wartenden. In langen Schlangen sammelten sich die Menschen dort mit ihrem Gepäck an einem Absperrgitter. Die Befürchtung, Aktivisten könnten die Auflösung des Lagers mit gewaltsamen Protesten begleiten, traten allerdings zunächst nicht ein. Die vollständige Räumung wird aber noch dauern.

Die konservative Bürgermeisterin von Calais, Natacha Bouchart, zeigte sich erleichtert, dass die Auflösung anlaufe. «Der Staat übernimmt seine Verantwortung.» Sie sprach allerdings auch die Befürchtung an, dass sich an anderen Orten neue illegale Camps bilden könnten. «Wir sind in ständiger Alarmbereitschaft, dass nicht neue Flächen in der Stadt oder in der Umgebung besetzt werden», sagte Bouchart.

Die Präfektin von Pas-de-Calais verglich das Registrierzentrum mit einem riesigen, improvisierten Busbahnhof. In dem Zentrum findet nur eine erste Befragung der Migranten statt, noch kein Asylverfahren. Den Menschen sollen zwei Regionen vorgegeben werden, zwischen denen sie wählen können. Ausgenommen sind der Großraum Paris und Korsika.

Die Behörden betonten immer wieder ein «humanitäres» Vorgehen. Man setze darauf, dass sich die Menschen freiwillig melden, sagte der Sprecher des Innenministeriums. «Keiner wird gezwungen, sich in einen Bus zu setzen.» Die Behörden arbeiteten seit langem mit Hilfsorganisationen zusammen, um die Menschen davon zu überzeugen, das Lager zu verlassen.

Unbegleitete Minderjährige, Familien und Kranke oder Schwangere wurden getrennt registriert. Kinder und Jugendliche, die alleine unterwegs sind, durften zunächst in Containern in Calais bleiben. Für ihr Aufnahmeverfahren gibt es besondere Regeln. Frankreich besteht auf Familienzusammenführung, wenn Angehörige bereits in Großbritannien leben.

Der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, kritisierte, dass Großbritannien sich abschotte und verschanze. «Flüchtlinge möchten dorthin, wo es Communities gibt.» Polizeieinsätze seien keine Lösung.

@ dpa.de

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