Ausland, Weltpolitik

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat sich skeptisch zu den Ergebnissen des G20-Gipfeltreffens geäußert.

10.07.2017 - 10:19:28

Wirtschaftsweiser Bofinger kritisiert G20-Erklärung

"In der Abschlusserklärung findet sich ein Potpourri an Zielen, ohne dass konkrete Maßnahmen genannt werden, wie diese Ziele erreichen werden sollen", sagte Bofinger der Zeitung "Neues Deutschland" (Montagausgabe). "Damit ist die Erklärung ziemlich wertlos. Ich glaube nicht, dass sie die Welt voranbringen wird."

Als Beispiel nannte Bofinger den Klimaschutz: Alle Staats- und Regierungschefs au√üer US-Pr√§sident Trump h√§tten sich zu den Zielen des Klimabkommens von Paris bekannt. "Als konkrete Ma√ünahme h√§tten sie vereinbaren k√∂nnen, ab dem Jahr 2027 eine Kohlendioxid-Steuer von 40 Dollar pro Tonne CO2 einzuf√ľhren", so Bofinger. Unter √Ėkonomen herrsche ein breiter Konsens, dass mit einer solchen Steuer die Pariser Klimaziele erreicht werden k√∂nnten. Wenn die Steuer erst in zehn Jahren eingef√ľhrt werde, k√∂nnen sich auch Unternehmen darauf einstellen. Die USA w√§ren dann zwar weiter au√üen vor. "Die anderen Staaten k√∂nnten aber beschlie√üen: F√ľr Importe aus L√§ndern, die bei dieser Klima-Abmachung nicht mitmachen, werden Z√∂lle erhoben", erkl√§rte das Mitglied des Sachverst√§ndigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Solche konkreten Vereinbarungen seien auch auf anderen Gebieten m√∂glich. Der G20-Gipfel habe im √úbrigen mit der urspr√ľnglichen Idee solcher Treffen nicht mehr viel zu tun, kritisierte Bofinger: "Das Format ist au√üer Kontrolle geraten", sagte er. 1975 habe der damalige Kanzler Helmut Schmidt erstmals f√ľnf weitere Staats- und Regierungschefs zu einem informellen Treffen eingeladen, um sich im kleinen Kreis auszutauschen. Solche Gespr√§che seien sinnvoll. Inzwischen sei von dieser Idee kaum noch etwas √ľbrig geblieben. Das G20-Treffen sei eine √ľberdimensionierte Veranstaltung. Bofinger schlug vor, wieder an die urspr√ľngliche Idee anzukn√ľpfen: "Vorstellbar w√§re zum Beispiel, dass sich die Spitzenpolitiker in ein sch√∂nes Hotel in den Bergen zur√ľckziehen. Jeder bringt zwei Berater mit, dann sind es 60 Menschen, die passen in ein gro√ües Hotel", so der Wirtschaftsweise. Bei einem solchen Treffen k√∂nnten die Spitzenpolitiker dann in Ruhe miteinander reden.

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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