Ausbruch aus den Ehefesseln - In Rebecca Millers Frauenporträt «Pippa Lee» glänzt Robin Wright Penn: Nur ein Jahr nach Erscheinen ihres ersten Romans «Pippa Lee» im Jahr 2008 hat Rebecca Miller das Buch in den USA verfilmt. Für das ausgefeilte Frauenporträt gewann die Tochter des Dramatikers Arthur Miller und der Magnum-Fotografin Inge Morath, die mit dem Schauspieler Daniel Day-Lewis verheiratet ist, ein hochkarätiges Ensemble. Neben der exzellenten Robin Wright Penn sind in dem kleinen, aber feinen Filmdrama für das Arthouse-Programm unter anderen Alan Arkin, Keanu Reeves und Winona Ryder zu sehen.
Vergrößern Ausbruch aus den Ehefesseln - In Rebecca Millers Frauenporträt «Pippa Lee» glänzt Robin Wright Penn | Bild: © ad-hoc-news

Pippa Lee (Robin Wright Penn) führt als Mutter zweier erwachsener Kinder ein sorgenfreies Bilderbuchleben mit ihrem 30 Jahre älteren Mann, dem Verleger Herb (Alan Arkin). Als Gastgeberin intellektueller Tischrunden ist sie sehr beliebt. Als das Paar von New York in eine schicke Rentnersiedlung nach Connecticut umzieht, bekommt die biedere Ehefassade Risse.

Pippa wundert sich über einen geplünderten Kühlschrank und einen leergefahrenen Autotank, findet dann aber dank einer Überwachungskamera heraus, dass sie als Schlafwandlerin unterwegs ist. Sie beginnt über ihr Leben nachzudenken, vor allem über ihre bewegte Vergangenheit, die sich in Rückblenden erschließen.

Von ihrer tablettensüchtigen Mutter Suky (Maria Bello) zum Püppchen erzogen, brach Pippa als Teenager zur lesbischen Tante nach Soho aus und stürzte sich in ein wildes Hippieleben mit Sexeskapaden und Drogenexzesessen. Erst Herb erlöste sie aus dieser sinnlosen Party-Hölle. Von ihm bekam sie zwei Kinder, die inzwischen erwachsen sind und ihr eigenes Leben führen. Als der alte Herb sie nun mit der jungen Poetin Sandra (Winona Ryder) betrügt, gibt Pippa ihren Gefühlen für den deutlich jüngeren, exzentrischen Nachbarssohn Chris (Keanu Reeves) nach.

Bis auf den theatralischen Freitod der ersten Verlegersgattin und die nur angerissene Sex-und-Drogen-Phase wirken die Ereignisse, die das Leben der Protagonistin umwälzen, seltsam undramatisch. Miller meidet in ihrer vierten Regiearbeit Pathetisches und Spektakuläres. Sie setzt auf leise Töne, poetische Momente und komplexe Figuren, um die schrittweise Selbstbefreiung einer Vorzeigefrau zu schildern, die sich anfangs im Schöner-Wohnen-Ambiente und in der konventionellen Versorgungsehe wohl zu fühlen scheint.

Mit einer der besten Leistungen ihres Schaffens gelingt es Robin Wright Penn («Forrest Gump»), diesen Erosionsprozess bis hin zur stillen Emanzipationsrevolte glaubhaft zu machen. Ihr zur Seite steht ein sicher geführtes Ensemble großer Namen, das neben einem gereiften Charakterdarsteller wie Alan Arkin auch der Nachwuchsdarstellerin Blake Lively («Gossip Girl») als junger Pippa Lee eine Chance gibt.

Für Kurzauftritte sind sich Monica Bellucci und Julianne Moore nicht zu schade. Während Moore leider nur sehr kurz als Domina-Fotografin zu sehen ist, bleibt der «Matrix»-Star Reeves als blasser Lover hinter den Erwartungen zurück. Statt der von Miller etwas zu ausgiebig geschilderten Beziehungsprobleme hätte man gerne mehr von den herrlich tragikomischen Szenen gesehen, die diesem unprätentiösen Frauenporträt ihre charakteristische Note geben.

(«Pippa Lee», USA 2009, Familiendrama, FSK: 12, 98 Minuten, Regie: Rebecca Miller, Darsteller: Robin Wright Penn, Alan Arkin, Keanu Reeves, Winona Ryder, Maria Bello u. a.)

Kinostart: 1. Juli 2010

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