Dresden (ddp-lsc). Im früheren Leipziger Kinderbordell «Jasmin» haben nach Zeugenangaben hochrangige Juristen verkehrt. Im Landtagsuntersuchungsausschuss zur sogenannten Sachsensumpf-Affäre sagte am Dienstag eine heute 32-jährige Frau aus, dass sie Ende 1992 zur Prostitution gezwungen worden sei. In den Fall des Anfang 1993 von der Polizei geräumten «Jasmin» seien «auch Staatsanwälte und Richter verwickelt», fügte sie hinzu, ohne Namen und weitere Details zu nennen.
In ihrer mit mehreren Unterbrechungen verlesenen Erklärung berichtete sie unter anderem von Vernehmungen der Staatsanwaltschaft Dresden Anfang 2008, in denen sie bedrängt worden sei, dass es sich bei den von ihr vermeintlich identifizierten Personen um eine «Verwechslung» handeln müsse.
Im Mai 2007 hatte das Bekanntwerden einer Datensammlung des Verfassungsschutzes zur angeblichen Existenz krimineller Netzwerke die Affäre ausgelöst. Die in dem Dossier aufgelisteten Vorwürfe reichten vermeintlich von Amtsmissbrauch bis Kinderprostitution und Bandenkriminalität. Die Staatsanwaltschaft Dresden nahm daraufhin Ermittlungen gegen verdächtige Juristen auf, die sie aber vor einem Jahr wieder einstellte. Statt dessen wirft sie der Zeugin Verleumdung vor.
Während Staatsanwaltschaft und Staatsregierung die Affäre seitdem auf fehlerhafte Arbeit des zuständigen Verfassungsschutzreferates zurückführen, weist dessen einstige Leiterin die Vorwürfe unsauberer Arbeit zurück. Die Zeugin vom Dienstag, deren Identität geheimgehalten wird, verbat sich die Bezeichnung Ex-Prostituierte. Sie sei «Opfer schwerster sexueller Gewalt» gewesen. Nach ddp-Informationen hatte sie bereits Anfang der 1990er Jahren in einem Polizeiverhör geschildert, von einem Zuhälter zur Prostitution gezwungen und nach einem Fluchtversuch misshandelt worden zu sein.
(ddp)

























