50 bis 60 Personen ziehen laut Organisatoren vom 13. bis 22. Mai von Straßburg durch ganz Baden über Basel und Mulhouse bis nach Freiburg. Anlass ist das Europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung 2010. Neben Obdachlosen und Menschen, die als arm gelten, sind Studenten, Gewerkschafter, Kirchenvertreter und Sozialarbeiter Teil der Karawane. Auch Politiker sind eingeladen.

Stationen auf dem Marsch für soziale Gerechtigkeit: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, der Versammlungsort der badischen 48er-Revolutionäre im Offenburger Gasthaus «Salmen» und der Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Heidelberg. Für das «Erste Trinationale Armutsforum» in Basel haben Betroffene, karitative und beratende Organisationen, soziale Stiftungen, Gewerkschaften und Künstler aus allen drei Ländern ihr Kommen zugesagt.

80 Millionen Menschen gelten laut Francki in Europa als arm. Die Unterschiede in den einzelnen Ländern seien enorm: «Serben zeigen mir den Vogel, wenn ich ihnen erzähle, dass in Deutschland Leute mit Fernseher und Handy als arm gelten.» Die Weltbank hat ein Tageseinkommen von einem US-Dollar als Armutsgrenze festgelegt. In Deutschland gelten 730 Euro Monatseinkommen als relative Armutsgrenze, in den ostdeutschen Bundesländern liegt die Grenze bei 605 Euro.

Francki weiß, was Armut bedeutet. «Das geht ganz schnell und kann jeden treffen: Arbeit verloren, daheim gelangweilt, Streit mit der Familie, Alkohol, Scheidung, Gleichgültigkeit.» Er hat sie nicht nur selbst erlebt sondern wird auch jetzt noch oft damit konfrontiert. Er arbeitet heute im Erich-Reisch-Haus, der Caritas-Einrichtung in Lörrach, wo er einst selbst als Obdachloser Unterschlupf gefunden hat.

Daneben ist Francki Vorstandsmitglied der Landes- und Bundesorganisation der Betroffeneninitiative Wohnungsloser und Mitgründer der Initiative in Lörrach. Besonders das Schicksal obdachloser Jugendlicher liegt ihm am Herzen: «Die Gesellschaft darf sie nicht abschreiben. Sie sind nicht faul, sie brauchen aber Führung», sagt er.

Für den Leiter der Beratungsstelle Ursulaheim in Offenburg, Roland Sauer, muss Europa angesichts von Armut und Arbeitslosigkeit ein soziales Projekt sein, auf keinen Fall ein reines Wirtschaftsprojekt oder gar eine Festung - «weder nach innen, noch nach außen». In der Beratungsstelle werden die Aktionen der Armutskarawane koordiniert. Für Saurer ist es «eigentlich ein Wunder», wie obdachlose und arme Menschen aus der Gleichgültigkeit und der sozialen Isolation heraus solch eine Motivation für die Aktion entwickeln konnten.

Viel müssen die Beteiligten in Eigenregie leisten. EU-Kommission und Bundesregierung unterstützen zwar anlässlich des Europäischen Jahres in ganz Deutschland 40 ausgewählte Sozialprojekte mit insgesamt 1,4 Millionen Euro. Die Armutskarawane gehört aber nicht dazu. Die Zielsetzung des Europäischen Jahres ist es laut Sprecherin des Bundessozialministeriums, «das öffentliche Bewusstsein für Armut und soziale Ausgrenzung zu stärken und die gesellschaftliche Verantwortung aller zu ihrer Bekämpfung zu fördern».

Genau das möchten auch die Betroffenen mit ihrer Mitmachaktion «von unten» erreichen. «Die Mitmenschen müssen sich sozialer verhalten«, fordert Francki. So wie er das sagt, klingt dieses Ziel gar nicht so weit weg: »Die größte Hilfe ist oft einfach nur ein Gespräch mit den Betroffenen, damit sie aus ihrer Isolation herauskommen.»

(aktion-von-unten.de)

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