Archäologen finden Siedlungen aus drei Epochen bei Düren: An der künftigen Trasse der Autobahn 4 bei Düren-Arnoldsweiler haben Archäologen Siedlungen aus gleich drei Epochen gefunden. Seit Januar 2009 laufen bereits Ausgrabungen, deren wertvollste Fundstücke vor allem Skelettfunde aus der Jungsteinzeit etwa 5100 vor Christus darstellen. «Skelette aus dieser Zeit sind nur ganz selten erhalten», sagt Oliver Ungerath, Grabungsleiter an der Fundstätte.
Vergrößern Archäologen finden Siedlungen aus drei Epochen bei Düren | Bild: © dapd

Düren (dapd-nrw). An der künftigen Trasse der Autobahn 4 bei Düren-Arnoldsweiler haben Archäologen Siedlungen aus gleich drei Epochen gefunden. Seit Januar 2009 laufen bereits Ausgrabungen, deren wertvollste Fundstücke vor allem Skelettfunde aus der Jungsteinzeit etwa 5100 vor Christus darstellen. «Skelette aus dieser Zeit sind nur ganz selten erhalten», sagt Oliver Ungerath, Anthropologe und Grabungsleiter an der Fundstätte. Meist seien höchstens noch Teile von Zähnen und Verfärbungen im Boden sichtbar. Der Fund bei Düren sei im Rheinland erst der zweite dieser Art.

In über 200 Gräbern haben die Archäologen hier noch etwa 125 Skelette gefunden. Helfer sitzen in den rechteckigen Lehmgruben und kratzen mit kleinen Schabern millimetergenau die Überreste der Menschen frei, die hier im Rheinland vor mehr als 7000 Jahren ihr Leben als Jäger und Sammler aufgaben und erstmals sesshaft wurden. Viele Kinder und Säuglinge sind hier begraben, oft zusammen mit Erwachsenen, um Gruben zu sparen. «Die Kindersterblichkeit war damals sehr hoch», sagt Ungerath.

Begraben wurden die Toten vermutlich in ihrer Tracht. Männern gab man einen sogenannten Dechsel, ein Steinbeil, mit ins Grab. Außerdem finden die Archäologen Pfeilspitzen, Keramikgefäße, Mahlsteine und Eisenerzbrocken, die zur Körperbemalung dienten. «Das wird hier buchstäblich mit dem Teelöffel ausgegraben», beschrieb Ungerath die Arbeit. Auch Feuerbestattungen kannten die frühen Siedler bereits, allerdings blieben diese seltener erhalten. «Die liegen in einer höheren Schicht als die Erdbestattungen, darum findet man dort kaum noch Reste», sagt Ungerath.

Gelebt haben die ersten Siedler in scheunenartigen Häusern mit gut 120 Quadratmetern Grundfläche. «In so einem Haus lebten nur etwa sieben bis acht Menschen», sagte Erwin Cziesla, Leiter der Firma «Wurzel Archäologie», die die Ausgrabungen durchführt. Warum die Häuser so groß waren, sei noch unklar. «Die Tiere waren vermutlich nicht mit den Menschen im Haus, da das Klima wärmer war als heute und die Tiere auch viel kleiner waren als unsere gezüchteten Nutztiere», erläutert Cziesla. Zusammen mit den Überresten eines solchen Bauernhauses haben die Archäologen zudem noch einen gut erhaltenen Holzbrunnen entdeckt. «Der ist bis heute funktionsfähig», sagt Cziesla. Die Siedler hätten sich den Platz für ihr Dorf offensichtlich wegen des in der Senke hohen Grundwasserspiegels ausgesucht.

Doch nicht nur die Siedler aus der Jungsteinzeit fühlten sich im Rheinland wohl. Auch Brunnen und Häuserreste sowie eine große Befestigungsanlage aus der Bronzezeit (etwa 2000 vor Christus) förderten die Ausgrabungen zutage, ebenso Gebäude und Brandgräber mit Beigaben aus der Römerzeit. «Wir haben hier Überreste von fünf Siedlungen gefunden, die alle unabhängig voneinander entstanden sind», sagt Archäologe Cziesla.

Um die Sichtung, Analyse und Katalogisierung der Funde kümmern sich in den nächsten Jahren insgesamt zwölf Forschungsinstitute und drei Universitäten. «Die Auswertung wird vermutlich noch zehn Jahre in Anspruch nehmen», sagte Jürgen Kunow, Leiter des Amtes für Bodendenkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). Doch so selten die Skelettfunde auch sind, mit Ende der Grabungsarbeiten im Oktober werden die Überreste der Jungsteinzeitmenschen wieder im Boden und dann unter der Autobahn verschwinden. «Die Skelette werden nicht geborgen, wir bestimmen nur die Zähne und nehmen Proben», sagte Ungerath.

Die Umverlegung der Autobahn 4 zwischen Düren und Kerpen war durch den Tagebau in dem Gebiet nötig geworden und soll bis 2014 abgeschlossen sein. Das Bauvolumen beträgt insgesamt 152 Millionen Euro, für die Ausgrabungen entlang der Strecke wurden insgesamt 2,2 Millionen Euro bereitgestellt.

dapd