Arbeitgeberverband Pflege sieht Bayern auf 'verhängnisvollem Weg': Angesichts des Fachkräftemangels in der Altenpflege hat der bundesweit tätige Arbeitgeberverband Pflege den Freistaat zu Kurskorrekturen aufgefordert. Die Staatsregierung befinde sich auf einem 'verhängnisvollen Weg', sagte Verbandspräsident Thomas Greiner am Dienstag in München. Dringend notwendig sei eine kostenfreie Altenpflegeausbildung und eine erleichterte Zuwanderung von Fachkräften.
Vergrößern Arbeitgeberverband Pflege sieht Bayern auf 'verhängnisvollem Weg' | Bild: © dapd

München (dapd-bay). Angesichts des Fachkräftemangels in der Altenpflege hat der bundesweit tätige Arbeitgeberverband Pflege den Freistaat zu Kurskorrekturen aufgefordert. Die Staatsregierung befinde sich auf einem 'verhängnisvollen Weg', sagte Verbandspräsident Thomas Greiner am Dienstag in München.

Dringend notwendig sei eine kostenfreie Altenpflegeausbildung und eine erleichterte Zuwanderung von Fachkräften. Nach Angaben des Verbandes fehlen in Bayern derzeit rund 4.000 Pflegefachkräfte.

Greiner kritisierte das in Bayern übliche Schulgeld für Altenpflegeauszubildende. Dieses stelle ein deutliches 'Hindernis' bei der Ausbildung von Fachkräften dar. Positive Impulse könne hingegen eine erleichterte Weiterbildung von Hilfs- zu Fachkräften erbringen. Auch hier stehe der Freistaat jedoch 'auf der Bremse'.

Darüber hinaus forderte der Verbandspräsident Erleichterungen bei der Anerkennung von Fachkräfteausbildungen anderer EU-Staaten. Der Verweis auf eine mangelnde Ausbildungsqualität sei 'kein Gegenargument': Während die deutsche Pflegeausbildung drei Jahre dauere, umfasse die Ausbildung in den meisten anderen Ländern vier Jahre.

Ein Arbeitgeber in München benötige aktuell durchschnittlich 110 Tage, um eine examinierte Altenpflegekraft zu finden und einzustellen, sagte Greiner. Er warnte, nach heutigem Berechnungsstand sei ein Anwachsen des Mangels auf 19.000 unbesetzte Stellen im Jahr 2020 realistisch.

Positiv äußerte sich der Verband zu Planungen von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), 'Pflege-WGs' finanziell zu fördern. Das Modell sei ein nützlicher Versuch zum Umgang mit kommenden Problemen in der Altenpflege. Als 'richtigen Schritt' bezeichnete Greiner zudem Bahrs Ansinnen, die derzeit von Heimaufsichten und Medizinischem Dienst der Krankenversicherung (MDK) verantworteten Prüfungen von Pflegeeinrichtungen zu bündeln. Dies entlaste Heimbewohner und Mitarbeiter von unnötigem Stress und ermögliche eine größere Transparenz.

Der Arbeitgeberverband Pflege vertritt die Interessen privater Pflegeanbieter in Deutschland.

dapd