Arbeiten und dabei etwas für die Umwelt tun: Genauso hat sich Timm Strecker sein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) gewünscht. Um ihn herum herrscht reger Betrieb. Ein Arbeiter sägt Sonnenkollektoren zurecht, ein Mann im Gabelstapler fährt mehrere Paletten durch die Lagerhalle. Und Timm schaut nicht nur zu, er arbeitet selber mit in der Firma Hartmann Energietechnik im schwäbischen Rottenburg-Oberndorf.
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Der rothaarige 20-Jährige mit den Sommersprossen bringt gerade die Kupferrohre für die Kollektoren an. Er freut sich, dass er zu tun hat. «Ich wollte nicht nur die Zeit absitzen», sagt er.

So wie Timm entscheiden sich immer mehr junge Leute für das FÖJ. 517 Bewerbungen hat die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg nach eigenen Angaben für dieses Jahr entgegengenommen - so viele wie noch nie. 90 Einsatzmöglichkeiten vermittelt die Landeszentrale als größter Träger im Land. Zu diesen 90 Plätzen der Landeszentrale kommen noch jeweils 30 von zwei anderen Trägern sowie seit 2002 zusätzlich 20 Plätze für anerkannte Wehrdienstverweigerer hinzu.

Vor genau 20 Jahren begann die Trägerschaft der Landeszentrale in Baden-Württemberg etwas kleiner - mit gerade einmal 30 Teilnehmern. Am Samstag (12. Juni) feiert die Landeszentrale in Friedrichshafen dieses Jubiläum, unter anderen hat Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) ihr Kommen zugesagt.

Meistens sind es Schulabgänger, die sich für das FÖJ entscheiden, manchmal aber auch Menschen, die das Jahr nutzen wollen, um sich umzuorientieren, erläutert Steffen Vogel von der Landeszentrale. Das Vorurteil, dass sich nur die typischen «Ökos», Leute also, die sich an Bäume ketten und Selbstgestricktes tragen, für das FÖJ interessieren, weist Vogel zurück. Viele der Teilnehmer seien einfach auf der Suche nach einer Perspektive für den weiteren Lebensweg. Hinzu komme, dass die Themen Umwelt und Naturschutz heute weitgehend in der Mitte der Bevölkerung angekommen seien.

Ein richtiger Trend also? Nicht ganz. Vogels Kollege Alexander Werwein findet, dass für das FÖJ intensiver Werbung gemacht werden muss. «Das ist nach wie vor schlicht eine Nische, das kennen ganz wenige.» Den Erfolg könne man sich vom Freiwilligen Sozialen Jahr abschauen, das sich mittlerweile erfolgreich als Alternative zu Wehr- oder Zivildienst durchgesetzt habe. Sollte der Wehrdienst irgendwann abgeschafft werden, hätte dies gravierende Auswirkungen, fürchtet Vogel. Dadurch würde auch die Finanzierung der FÖJ-Stellen wegfallen.

Und auch das Interesse würde wohl zurückgehen. Timm jedenfalls sagt, dass er ohne die Wehrpflicht sofort nach dem Abitur mit seinem Studium angefangen hätte. Er will «Simulation Technology» in Stuttgart studieren. Nach neun Monaten bei Hartmann Energietechnik glaubt er aber, dass sich die Erfahrung für ihn gelohnt hat. «Ich habe gelernt, eigenverantwortlich zu arbeiten», sagt er.

Das ist genau das, was sich Firmenchef Thomas Hartmann erhofft. «Die FÖJler lernen etwas, für uns sind sie aber auch eine Arbeitskraft, die wir einplanen können.» Es sei ein Geben und Nehmen. In seinem 30-köpfigen Betrieb wolle er auf die Hilfe der Teilnehmer gar nicht mehr verzichten. Das FÖJ sei eine gute Möglichkeit für junge Leute, in sein Unternehmen «reinzuschnuppern».

Patrick Brombacher ist derzeit neben Timm der zweite FÖJ-Teilnehmer in dem Unternehmen. Der 20-jährige schlaksige Mann arbeitet im Büro, pflegt die Webseite der Firma oder leitet Führungen durch das Gebäude, bei denen Besuchergruppen die Vorzüge der Photovoltaik und des Heizens mit Holzpellets oder Biomasse erleben sollen.

Für ihn hat sich das «Reinschnuppern» gelohnt, glaubt er. «Das ist sinnvoller als die Alternative Bundeswehr», sagt er. Auch im Zivildienst würden viele seiner Kumpel nur herumsitzen. «Das wäre für mich verlorene Zeit.» Bei seiner FÖJ-Stelle sei das anders. «Und nebenbei kann ich noch etwas für die Umwelt tun', fügt er hinzu.

ddp