Politik
Amoklauf - Spurensicherung am Ansbacher Gymnasium abgeschlossen
20.09.09 | 15:48 UhrErmittler befragen weitere Zeugen Nach dem Amoklauf am Ansbacher Carolinum Gymnasium suchen die Ermittler der 25-köpfigen Sonderkommission weiter nach dem Motiv des 18 Jahre alten Täters. Die Fahnder setzten das ganze Wochenende über die Befragungen von Schülern und Lehrern fort. Die Sicherung der Spuren am Tatort ist dagegen abgeschlossen. Das Schulgebäude wurde am Samstag von den Ermittlern wieder freigegeben.
Zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst am Sonntagabend erwarteten die Kirchen rund 1000 Menschen.
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» geht die Polizei Hinweisen nach, dass der Schüler in den Tagen vor der Tat Medikamente eingenommen habe. Den jungen Mann hätten offenbar Konzentrations- und Wahrnehmungsstörungen geplagt. Er sei bei einem Ansbacher Psychologen in Behandlung gewesen.
Im Zimmer des 18-Jährigen fanden Polizisten dem Bericht zufolge neben seinem Testament auch Gedichte und Gewaltvideos. In dem Testament, das aus anderthalb eng beschriebenen DIN-A4-Seiten bestehe, habe der Schüler verfügt, was nach seinem Tod mit seiner Leiche und seinen Besitztümern geschehen solle. Unter anderem gebe er an, für wen seine selbst verfassten Gedichte bestimmt seien.
Die beiden bei dem Amoklauf schwer verletzten 15-jährigen Schülerinnen lagen am Wochenende weiter auf der Intensivstation des Klinikums Nürnberg. Die Ärzte sind mit dem Gesundheitszustand der beiden Jugendlichen nach ddp-Informationen insgesamt aber zufrieden, ihnen gehe es zunehmend besser, hieß es. Bei dem Mädchen, dem der Amokläufer mit Axthieben lebensgefährliche Kopfverletzungen zugefügt hatte, ist jedoch nach wie vor unklar, ob die Tat bleibende Schäden hinterlassen wird. Ihre gleichaltrige Mitschülerin hatte schwere Brandverletzungen im Gesicht durch einen Molotowcocktail erlitten.
Insgesamt verletzte der Amokläufer neun Schüler und einen Lehrer. Eine Schülerin der 10b schilderte in der «Bild»-Zeitung (Samstagausgabe) das kaltblütige Vorgehen des 18-Jährigen. Zunächst habe er wortlos brennende Flaschen ins Klassenzimmer geworfen. Zwei Buben hätten am Rücken gebrannt, eine Mitschülern habe es «voll im Gesicht erwischt», die Tische seien in Flammen gestanden. «Unser Lehrer schrie: ´Raus!´ Wir rannten auf den Flur. Dort stand Georg mit der Axt», berichtete die Schülerin. «Mich hat er an der Hüfte erwischt. Dann hat er immer wieder auf Mareike eingeschlagen.»
Über den Gesundheitszustand des 18-Jährigen, der durch mehrere Polizeikugeln verletzt worden war und am Freitag ein weiteres Mal operiert werden musste, wurde am Wochenende nichts bekannt. Von der Befragung des jungen Mannes erhoffen sich die Ermittler wichtige Erkenntnisse.
Regulärer Unterricht ist für Montag am Gymnasium nicht geplant. Die Schüler können entweder zu Hause bleiben oder sich in der Turnhalle versammeln, wo Psychologen und Seelsorger den Jugendlichen, ihren Eltern und den Lehrern für Gespräche zur Verfügung stehen werden. In Abstimmung mit den Schülern ist ein eingeschränkter Unterricht bis einschließlich der vierten Stunde geplant.
Nach Angaben des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Ansbach haben viele Betroffene die Hilfe von Notfallseelsorgern gesucht. Unter anderem würden die Familien der beiden Schwerverletzten und auch des Amokläufers von Pfarrern betreut.
Bei dem ökumenischen Gottesdienst am Abend sollten einem Dekanatssprecher zufolge symbolisch vier Kerzen entzündet werden: zwei für die beiden schwer verletzten Mädchen, eine für den Täter und eine für die Schulfamilie. In Fürbitten sollte für die Schule, die Schüler und Lehrer sowie die Rettungskräfte, für weniger Gewalt und mehr Barmherzigkeit in der Gesellschaft gebetet werden.
Ansbach (ddp-bay)
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Ermittler befragen weitere Zeugen Nach dem Amoklauf am Ansbacher Carolinum Gymnasium suchen die Ermittler der 25-köpfigen Sonderkommission weiter nach dem Motiv des 18 Jahre alten Täters. Die Fahnder setzten das ganze Wochenende über die Befragungen von Schülern und Lehrern fort. Die Sicherung der Spuren am Tatort ist dagegen abgeschlossen. Das Schulgebäude wurde am Samstag von den Ermittlern wieder freigegeben.
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