Am neuen Hauptstadtflughafen wird der 'Störfall Kunde' getestet: Die Farbe der Bekleidung der 'Passagiere' am neuen Berliner Hauptstadtflughafen in Schönefeld ist neongrün. Mit grüner Weste und grünem Schutzhelm testen am Dienstag erstmals 260 Menschen, wie gut der Betrieb in dem neuen gläsernen Terminal funktioniert.
Vergrößern Am neuen Hauptstadtflughafen wird der 'Störfall Kunde' getestet | Bild: © dapd

Schönefeld (dapd-bln).

Nachdem in den vergangenen Wochen bereits Mitarbeiter von Fluggesellschaften, Sicherheitsunternehmen, Bodenverkehrsdiensten, Zoll und Bundespolizei die täglichen Abläufe trainierten, sind nun Fluggäste gefragt, den Betrieb auf dem Airport auf die Probe zu stellen.

'Störfall Kunde' nennt Flughafen-Chef Rainer Schwarz die Übung, die sich bis Mitte Mai noch 29-mal wiederholen wird. Von rund 10.000 Probanden 'erhoffen wir uns wertvolle Hinweise, ob Geräte, Anlagen und auch Personal funktionieren', sagt Schwarz.

Am Check-In-Schalter, an der Sicherheitskontrolle, beim Boarding sollen die Komparsen testen, was bereits klappt und wo es noch klemmt. Ihre fiktiven Flüge führen sie von 107 möglichen Gates nach München, Oslo, Wien und Budapest oder lassen sie aus London oder Madrid ankommen.

Die Tester sollen das Bodenpersonal mit Ticketupgrades und Sitzplatzänderungen fordern, sie sollen auf veränderte Flugzeiten und neue Abfluggates reagieren, den Verlust ihres Tickets oder andere Notfälle simulieren. Am Ende der Testphase, nach 47 Probeläufen, 300.000 aufgegebenen Gepäckstücken, über 100.000 Check-In-Vorgängen und 500 simulierten Ereignissen, soll möglichst jeder Fehler im System erkannt und behoben sein.

Testpassagier René Gilling verfolgt unterdessen ein ganz eigenes Ziel. Der IT-Experte und Vielflieger mag es, sein Zeitbudget zu optimieren. Der 25-Jährige will testen, wie gut sich sein 'Just-in-time'-Prinzip auf dem neuen Flughafen, der von seinen künftigen Betreibern als 'Airport der kurzen Wege' gepriesen wird, praktizieren lässt. Dabei hat die erste Testrunde für Gilling noch etwas von einem Orientierungslauf. Denn noch ist das Terminal eine riesige Baustelle.

Während die Komparsen den Flugalltag simulieren, werkeln 5.000 Bauleute im finalen Akkord an dem Milliarden-Projekt. In 117 Tagen soll alles fertig sein, am 3. Juni soll der Flughafen 'Willy Brandt' seinen Betrieb aufnehmen. 'Zu tun gibt es noch reichlich', sagt ein Handwerker auf der Baustelle eines künftigen Restaurants, das in einer 715 Meter langen Passage neben 150 Shops, Bars und Lokalen entsteht.

Inmitten von Materialpaletten, Bauzäumen, Bauplanen und Schutzfolien suchen die Probanden Wegweiser, Infotafeln und Monitore. Der richtige Weg führt sie zu einer von acht Check-In-Inseln, wo sie ihr Gepäck aufgeben und ihre Boardingpässe bekommen.

In Spitzenzeiten können an 110 Check-In-Schaltern stündlich bis zu 100.000 Passagiere abgefertigt werden. Die Flughafen-Gesellschaft beziffert die Startkapazität des künftigen Flughafens auf 27 Millionen Fluggäste pro Jahr.

Nach dem Check-In ist Flughafentester Gilling zufrieden. 'Ich habe mich schnell zurecht gefunden', sagt der Berliner. Die Sicherheitskontrolle, deren Ablauf und Technik nach Vorgaben der Bundespolizei konzipiert wurde, hat Gilling allerdings zu lange gedauert. Und auch die wegen des Baugeschehens improvisierte Wegeführung beurteilt er als unübersichtlich. 'Aber das wird sich ja bis zur Fertigstellung ändern', sagt er.

Das hofft auch Elke Becker. Die Berlinerin hat ihren Flug nach München verpasst, weil sie beim Check-In zu lange warten musste. Verloren steht sie mit Koffer und Ticket in der riesigen Halle. 'Keiner konnte sagen, wo ich hin muss', klagt sie. Doch sie gibt sich als nachsichtiges Opfer der Übung: 'Ist ja nicht schlecht, dass so etwas jetzt und nicht später passiert.'

dapd