Oberfell (ddp-rps). Völlig entspannt steht der Aktionskünstler Heinz Ratz am Ufer der Mosel in Oberfell (Kreis Mayen-Koblenz). «Etwa knapp die Hälfte der Gesamtstrecke von 1000 Flusskilometern dürfte ich jetzt hinter mir haben», berichtet der 40-Jährige. Da habe sich schon eine gute Kondition aufgebaut. Von daher gehe er die etwa 20 Kilometer lange Tagesetappe von Oberfell nach Koblenz ganz gelassen an. Anschließend schlüpft Ratz in seinen Neoprenanzug und springt in das noch kühle Wasser der Mosel.
Ratz schwimmt, um im Rahmen seiner Aktion «Lee(h)re Flüsse» auf das Artensterben aufmerksam zu machen. «Wissen Sie, welche Tier- und Pflanzenarten es noch in unseren Flüssen gibt?», fragt er. Und er gibt sich die Antwort selbst: «Es werden immer weniger.»
Der Mann sieht sich als Rebell. Er protestiere, in dem er schwimme, gegen die «überhebliche Zerstörungswut gegenüber der gesamten Tier- und Pflanzenwelt in unserem Land und auch anderswo». Die Welt sei «voller Umweltzerstörung».
Ratz bezeichnet sich als «Provokateur», will bewusst ein «Unruhestifter» sein. «Das kann natürlich auch an meiner Lebensgeschichte liegen», sagt er. In der Schule habe er nie geglänzt: «Ich war es nicht gewohnt, mich unterordnen zu müssen», erzählt er. Als Totalverweigerer musste er dennoch zum Zivildienst. Anschließend lebte er ein Jahr als Obdachloser auf der Straße. «Das habe ich natürlich nicht gerne gemacht, aber es hat mir die Augen geöffnet, die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu sehen», berichtet er.
Erfahrungen, die sich auch in den Werken des selbst ernannten Radikalpoeten und Liedermachers widerspiegeln: Er dichtet gegen «politische Kompromisslosigkeit» und rockt für soziale Randgruppen.
So auch im vergangenen Jahr, als er den «Lauf gegen die Kälte» startete, der ihn bundesweit bekanntmachte. In 29 Tagen legte er laufend die Strecke von Dortmund nach München zurück. In renommierten Musikclubs gab er unterwegs Konzerte und spendete die Einnahmen Obdachlosen.
Auch die jetzige Aktion sei Teil eines «moralischen Triathlons», wie er das Gesamtkonzept bezeichnet. Im vergangenen Jahr das Laufen, in diesem Jahr das Schwimmen und im kommenden Jahr will Ratz mit dem Fahrrad unterwegs sein. Unter welchem Motto und für welchen guten Zweck will er noch nicht verraten.
Leicht erschöpft, aber glücklich steigt Ratz am Abend in Koblenz aus dem Wasser der Mosel. Es sei diesmal eine angenehme Etappe gewesen. Nicht so, wie vor wenigen Tagen im Rhein bei Köln: Da sei er von der Strömung unter ein Schiff gedrückt worden. «Da hatte ich echte Panik», sagt Ratz.
Er gönnt sich zwei Stunden Pause, dann geht es auf die Bühne. Unterstützung findet er dort durch so bekannte Liedermacherkollegen wie Konstantin Wecker, Bodo Warthke oder Ingo Pohlmann, die ihn musikalisch auf seiner Tour begleiten. Und auch diesmal wieder verzichten er und seine musikalischen Mitstreiter auf die Eintrittsgelder. Stattdessen bittet er um Spenden, die diesmal für Artenschutzprojekte des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) bestimmt sind.
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