Auslöser für die Affäre um die gescheiterte Privatfinanzierung am Nürburgring waren die Planungen für die Erlebniswelt «Nürburgring 2009». Mit dem groß angelegten Erlebnispark rund um den Motorsport wollte die rheinland-pfälzische Landsregierung unter Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) die abgelegene Eifelregion mit Touristen und Arbeitsplätzen beleben und die legendäre Rennstrecke Nürburgring für die Zukunft erhalten. Doch bei dem ursprünglich mit 200 Millionen Euro Kosten veranschlagten Großprojekt blieben die privaten Investoren aus.

Der damalige Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) wollte deshalb mit einem gewagten Finanzkonstrukt die erhofften Privatgelder doch noch realisieren und dem Land so insgesamt rund 50 Millionen Euro gegenüber einer konventionellen Finanzierung sparen. Dem Konstrukt zufolge wollte der private Finanzberater Michael Merten über seine Firmen IPC und Pinebeck die Immobilien der neuen Erlebniswelt für 170 Millionen Euro kaufen. Das Land sollte einen Ertragsanteil von 30 Millionen Euro erhalten, die Immobilien umgehend wieder an das Land zurück vermietet werden. Das Geld für den Deal wollte Merten wiederum mit Hilfe des Schweizer Finanzberaters Urs Banaradun über ein Geschäft mit amerikanischen Lebensversicherungen besorgen.

Zur Unterfütterung dieses Geschäftes deponierte das Land im vergangenen Herbst 80 Millionen Euro auf einem Konto in der Schweiz. Trotz dieses «Liquiditätsnachweises» kam der Deal aber nicht zustande, möglicherweise, weil Barandun im November Ärger mit der Justiz in Dubai hatte. Ein zweiter Anlauf im Frühjahr 2009, für den das Land diesmal 95 Millionen Euro in die Schweiz transferierte, scheiterte kurz vor der Eröffnung der neuen Erlebniswelt Anfang Juli spektakulär: Obwohl Deubel mehrere Fristen nannte, Überweisungen ankündigte und das Geschäft immer wieder als «seriös» verteidigt hatte, floss kein Geld an den Nürburgring.

Stattdessen stieg im Mai die Liechtensteinische Landesbank aus der Geschäftsabwicklung aus Angst um ihre Reputation aus. Dann hieß es schließlich, ein reicher Privatmann aus Amerika wolle Millionen investieren, doch der vermeintliche Investor hatte noch nie etwas vom Nürburgring gehört. Schließlich gingen bei der Landesbank Rheinland-Pfalz zwei ungedeckte Schecks ein - daraufhin zog Deubel am 7. Juli die Reißleine, stoppte das Geschäft und trat zurück. Anfang September setzte der Landtag einen Untersuchungsausschuss ein, der aufklären soll, wer für die gescheiterte Finanzierung die Verantwortung trägt und ob dem Land ein Schaden entstanden ist.

Zwar flossen die beiden Millionendepots vollständig zurück, doch Merten kassierte bereits mindestens 1,2 Millionen Euro an «Beraterhonoraren». Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt gegen Merten wegen Betruges. Der Verdacht: Den Beratern ging es nur um die Erschleichung der Honorare - eine echte Leistung in Form einer Finanzierung mit privaten Geldern für die Immobilien am Nürburgring war nie geplant.

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