Vor allem italienische Staatsanleihen standen in den vergangenen Wochen auf dem Verkaufsplan. Im dritten Quartal hatte die Aareal Bank zunächst ihre gesamten spanischen Staatsanleihen im Wert von 300 Millionen Euro verkauft und für genau diesen Betrag noch italienische Papiere gekauft. Ende September hatte sie so gut 1,6 Milliarden in italienische Papieren und 100 Millionen in portugiesischen investiert. Angesichts gestiegener Zweifel am Reformwillen in Italien, trennte sich die Bank nun wieder von den Anleihen des Berlusconi-Landes. Damit folgte sie vielen Großbanken.
GELD BEI EZB GEPARKT
"Wir sind jederzeit in der Lage auf mögliche Verschärfungen der Marktlage im Rahmen eines aktiven Portfoliomanagements zu reagieren und so die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise für das eigenen Haus eng zu begrenzen", sagte Vorstandschef Wolf Schumacher. Den Erlös aus dem Anleihenverkauf leiht die Bank nun der Europäischen Zentralbank - dort gibt es zwar kaum Zinsen, dafür gilt das Geld dort aber als absolut sicher. Das griechische Schulden-Drama können die Wiesbadener hingegen gelassen verfolgen, weil sie keine Staatsanleihen des Landes haben.
Im dritten Quartal trotzte der Immobilienfinanzierer den Turbulenzen an den Finanzmärkten. Der Überschuss stieg von 10 Millionen im Vorjahr auf 24 Millionen Euro. Damit übertraf das Institut die Erwartungen von Analysten. Das operative Ergebnis legte um 42 Prozent auf 47 Millionen Euro zu zu. Dabei profitiert die Bank davon, dass sie nach einer Kapitalerhöhung im zweiten Quartal einen Teil der in der Finanzkrise vor drei Jahren aufgenommenen Staatshilfe zurückgezahlt hat. Das spart Zinsen.
RISIKOVORSORGE GESTIEGEN
Die Risikovorsorge nahm im Vergleich zu den beiden Vorquartalen deutlich auf 36 Millionen Euro zu, dies gilt als Indiz dafür, dass sich das Geschäft angesichts der sich verschlechternden Konjunktur bei der Aareal Bank eintrüben könnte. Der Vorstand betonte hingegen, dass sich der Wert immer noch innerhalb der üblichen Schwankungsbreite befinde. Das Management erwartet daher, dass im Gesamtjahr die Rückstellungen für faule Kredite am unteren Ende der ausgegebenen Spanne von 110 bis 140 Millionen Euro liegen werden. Nach neun Monaten waren es 78 Millionen Euro.
Für den weiteren Geschäftsverlauf äußerte sich das Unternehmen angesichts der Verunsicherung an den Finanzmärkten vorsichtig. Die Wachstumsaussichten der Realwirtschaft hätten sich deutlich abgeschwächt. Der Vorstand gab sich aber optimistisch, im vierten Quartal erneut einen Gewinn zu erwirtschaften. "Wir sind zuversichtlich, die gute Geschäftsentwicklung fortzusetzen", sagte Vorstandschef Wolf Schumacher. Nach neun Monaten hat die Bank operativ bereits 138 Millionen Euro verdient und damit bereits das Ergebnis des gesamten Vorjahres von 134 Millionen Euro übertroffen.
STARKES NEUGESCHÄFT
Um sich für weiteres Wachstum zu stärken, hatte das Institut im April mit einer Kapitalerhöhung knapp 270 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld setzt die Bank nun vor allem für die Ausweitung seines Kreditgeschäfts ein. Das Neugeschäft wuchs in den ersten neun Monaten um 50 Prozent 6,2 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr soll es nun am oberen Ende des in Aussicht gestellten Spanne von 7 bis 8 Milliarden Euro landen.
Mit 75 Millionen Euro steckte das Geldhaus einen kleinen Teil des Erlöses aus der Ausgabe neuer Aktien in die weitere Rückzahlung der Stillen Einlagen des Bundes, das wirkt sich nun positiv auf das Ergebnis aus. Von den ursprünglich 525 Millionen Euro an direkten Hilfen des Bankenrettungsfonds Soffin sind nun noch 300 Millionen übrig. Mit der kompletten Rückzahlung in Krise erhaltenen Staatshilfen will sich die Aareal Bank noch Zeit lassen. Leisten könnte sich die Gesellschaft das - auch ohne Soffin-Mitel kommt sie auf eine harte Kernkapitalquote von 11,5 Prozent.


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