(Feature) Günstige Mieten und kurze Wege - Immer mehr polnische Bürger ziehen in die deutsche Grenzregion und verhelfen dieser zum Aufschwung --Von ddp-Korrespondentin Kerstin Hebeler-- (Mit Bildern)
29.06.2008 | 11:05 UhrLöcknitz (ddp-nrd). Lothar Meistring steht der Optimismus ins Gesicht geschrieben. Der braungebrannte Bürgermeister von Löcknitz mit seinem breiten Lachen und kräftigem Händedruck erzählt gern die Erfolgsgeschichte seiner kleinen Gemeinde an der deutsch-polnischen Grenze im Süden Mecklenburg-Vorpommerns. Im Niemandsland, das durch Abwanderung, hohe Arbeitslosigkeit und NPD-Anhänger von sich Reden macht, steht Löcknitz für steigende Einwohnerzahlen und Gewerbeanmeldungen.
Gut 3200 Einwohner hat die Gemeinde mittlerweile und damit 300 mehr als noch vor zwei Jahren. Es werden auch wieder mehr Kinder geboren. 500 Euro Begrüßungsgeld spendiert der Bürgermeister jedem neuen Erdenbürger. «Diesen Haushaltsposten überziehen wir prozentual gesehen am meisten», sagt Meistring und lacht.
Der EU-Beitritt Polens im Frühjahr 2004 und der Wegfall der Personenkontrollen an den Grenzen Ende 2007 im Zuge des Schengen-Abkommens haben Löcknitz und den Nachbargemeinden am vermeintlichen Ende der Welt einen Standortvorteil verschafft. Immer mehr Polen aus der 400 000-Einwohner-Metropole Stettin ziehen ein paar Kilometer westwärts. «Hier sind die Wohnung vergleichsweise günstig, besser ausgestattet und schneller zu haben», sagt der Bürgermeister der Linkspartei. 220 polnische Mitbürger zähle Löcknitz, 650 das Amt Löcknitz-Penkun und etwa 1000 der Landkreis Uecker-Randow. 40 der zurzeit 260 Gewerbe in der Gemeinde hätten Polen angemeldet.
Auf diese Menschen ist Jan Rybski bestens vorbereitet. Er entwickelt eine Wohnanlage im Stadtzentrum von Löcknitz. Rybski lebt seit Anfang der 80er Jahre in Deutschland und spricht Polnisch und Deutsch fließend. Die ersten der 30 Einfamilienhäuser, die einmal auf dem zwei Hektar großen Areal stehen sollen, haben Deutsche und Polen bezogen. «Hier zu bauen ist 20 Prozent billiger als in der Umgebung von Stettin», sagt Rybski. Zudem punkte Löcknitz mit seiner guten Infrastruktur. Supermärkte, Banken, Reisebüro, Bahnhof oder aber Schulen seien vom Zentrum aus bequem zu Fuß zu erreichen.
So wie Rybski hofft der Bürgermeister auf noch mehr Zuzüge von finanzstarken Polen - und auf ein besseres Miteinander der beiden Nationen. Die allermeisten hießen die Neuankömmlinge willkommen, aber es gebe solche, die mit Spruchbändern wie «Löcknitz bleibt deutsch» durch die Straßen zögen, sagt Meistring.
Projektleiter Rybski will solche Vorfälle nicht überbewerten, genauso wenig wie die Beschädigung mehrerer Autos polnischer Einwohner Anfang des Jahres. «Multikulti funktioniert nicht immer», sagt er lapidar. Rybski, dessen Sohn auf das deutsch-polnische Gymnasium in Löcknitz geht, plädiert dafür, dass sich Deutsche und Polen miteinander befassen, «sonst bleibt mir mein Nachbar immer fremd.»
Nicht mehr fremd fühlt sich Izabela Mazurkiewicz. Seit einem Jahr lebt die Stettinerin mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Löcknitz. Eigentlich sei die Familie auf dem Sprung nach Hamburg gewesen, wo ihr Mann die Woche über als Maler arbeite. Doch man habe sich entschieden, in Löcknitz zu bleiben. «Hier ist man auf uns eingestellt. Und Stettin ist nicht weit», sagt die 29-Jährige, die bereits einen Deutschkurs besucht.
Die Löcknitzer Wohnungsverwaltungsgesellschaft profitiert von Mietern wie der Familie Mazurkiewicz. Seit polnische Bürger Löcknitz für sich entdeckt haben, kann Geschäftsführerin Maria-Theresia Odendall vermelden: «Wir haben quasi keinen Leerstand mehr.» Anfang 2007 verzeichnete das städtische Unternehmen 58 polnische Mieter, Ende März dieses Jahres waren es schon doppelt so viele. Doch es sind nicht nur diese, die der Gemeinde eine bessere Zukunft bescheren, wovon Geschäftsführerin Odendall überzeugt ist. Sie erzählt von einem polnischen Investor, der unter anderem ein Casino bauen wolle, eine Eissporthalle sowie ein Autohaus für die Luxusmarken Rolls-Royce und Bentley. «Hier tut sich was», schwärmt Odendall.
Am Aufschwung teilhaben möchte auch das im polnischen Swidwin ansässige Unternehmen Fleischmannschaft AG, das Gewürzmischungen herstellt. In wenigen Wochen soll mit der Produktion in Löcknitz begonnen werden, sechs Arbeitsplätze entstehen. Der neue Standort werde vor allem aus Imagegründen eröffnet, sagt Betriebsleiter Marcin Baryliszyn: «Wenn wir auf unsere Produkte 'Made in Germany' schreiben, können wir die Absatzmärkte in Westeuropa viel leichter erschließen.»
ddp/heb/kos
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Lothar Meistring steht der Optimismus ins Gesicht geschrieben. Der braungebrannte Bürgermeister von Löcknitz mit seinem breiten Lachen und kräftigem Händedruck erzählt gern die Erfolgsgeschichte seiner kleinen Gemeinde an der deutsch-polnischen Grenze im Süden Mecklenburg-Vorpommerns. Im Niemandsland, das durch Abwanderung, hohe Arbeitslosigkeit und NPD-Anhänger von sich Reden macht, steht Löcknitz für steigende Einwohnerzahlen und Gewerbeanmeldungen.
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