(Feature) Besuch nach dem Erdbeben - Wirtschaftssenator wirbt im chinesischen Shenzen für Berliner Designbranche --Von ddp-Korrespondent Michael Winckler--
17.05.2008 | 13:05 UhrBerlin (ddp-bln). Die Wirtschaftsmetropole Shenzhen in der Provinz Guandong im Südosten Chinas liegt weit entfernt von der Erdbebenregion. Doch trotz aller Geschäftigkeit ist auch hier die verheerende Katastrophe Tagesthema. Auch Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) - bis Dienstag auf China-Reise - lässt keine Gelegenheit aus, um bei Veranstaltungen und Empfängen dem chinesischen Volk das tiefe Mitgefühl des Berliner Senats auszudrücken.
Die Regierung in Peking spricht vom schlimmsten Erdbeben seit Ende des Zweiten Weltkriegs in China. Mit 50 000 Todesopfern wird inzwischen gerechnet, Zehntausende Menschen sollen in den zumeist schwer zugänglichen Gebieten der Provinz Sichuan noch verschüttet sein. Zum Vergleich: Im Jahr 1976 hatte ein Erdbeben im Reich der Mitte den Angaben zufolge 276 000 Tote gefordert.
Wolf ist einen Tag, nachdem das Erdbeben mit einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala China erschüttert hat, in den Fernen Osten gereist. Die Reise war lange geplant. Der Senator besucht neben Shenzhen das benachbarte Hongkong und die Hauptstadt Peking.
Anlass seiner Reise ist die Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der deutschen Hauptstadt und den chinesischen Metropolen. Es geht bei Wolfs inzwischen dritter Reise nach Shenzhen unter anderem darum, die Kooperationen zwischen Unternehmen aus der Designbranche beider Länder voranzubringen. Und die Beziehungen zwischen Berlin und Shenzhen, wo zwölf Millionen Menschen leben, vor allem in der Kreativwirtschaft zu intensivieren. Wolf und der Oberbürgermeister von Shenzhen, Xu Zenghong, haben am Freitag eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.
Dabei spricht der Linke-Politiker auch westliche Werte an. «Die Voraussetzung für Kreativität sind Freiheit und Offenheit», sagt Wolf bei der Eröffnung einer Ausstellung von Design-Produkten Berliner Unternehmen. Und bei einem Symposium hebt er die lange Tradition Berlins als Stadt der Toleranz, der Künstler und Kreativen hervor. Gutes Design sei unbedingte Voraussetzung für erfolgreiche Marken, unterstreicht Wolf. Ein Automobil beispielsweise ohne Top-Design könne sich am Weltmarkt nicht durchsetzen.
Um die Bedeutung von hervorragendem Design für die erfolgreiche Vermarktung von Produkten weiß auch die Chefin der Vertriebsgesellschaft für die Königliche Porzellan Manufaktur (KPM) in China, Sabine Schlag. Extra für den chinesischen Markt habe das Unternehmen eine mit jeweils einem Diamanten besetzte Tasse und Untertasse in limitierter Stückzahl entwickelt und ins Programm aufgenommen. Kosten für das extravagante Porzellan: 50 000 Euro.
Jetzt hat KPM einen Showroom in Schanghai eröffnet. Die Mieten seien ungefähr so hoch wie am Kurfürstendamm, stöhnt Schlag. 30 000 Euro für 180 Quadratmeter. «In China braucht man gute Nerven», fügt die Geschäftsführerin hinzu. Allgemein bestünden große kulturelle Unterschiede in den Geschäftsgepflogenheiten. Aber wer sich in China nicht engagiere, verschlafe die Zukunft, betont Schlag. Bei erfolgreichen Geschäften will KPM nach den Worten Schlags einen weiteren Showroom in Shenzhen eröffnen. Die Mieten in Peking seien derzeit nicht zu bezahlen.
Der Berliner Akustik-Designer Jan Dietrich sieht für seine Produkte in China bessere Chancen als in Europa, besonders in Deutschland. Der gelernte Orgelbauer und Industriedesigner hat mehrere Patente für Klangmodifikationen beantragt. Die Produkte lassen eine Vogelfutterverpackung zwitschern und Kronkorken besonders laut ploppen. In China suche er für sein Unternehmen zunächst einen Lizenznehmer, sagt der 35-Jährige.
Shenzhen ist eine der Boom-Städte Chinas. Nach offiziellen Angaben acht Millionen, inoffiziellen Quellen zufolge jedoch sogar 12 Millionen Menschen leben hier. Im benachbarten Hongkong wohnen sieben Millionen. Dabei war Shenzhen lange ein verschlafenes Nest. 1976 wurden hier nur 30 000 Einwohner gezählt. Heute werden in der Metropole den Angaben zufolge mit die höchsten Durchschnittseinkommen in China erzielt.
ddp/wle/clp
Url zum Artikel: http://www.ad-hoc-news.de/Politik-News/16953839/rss
drucken
versenden
Bookmark
Die Wirtschaftsmetropole Shenzhen in der Provinz Guandong im Südosten Chinas liegt weit entfernt von der Erdbebenregion. Doch trotz aller Geschäftigkeit ist auch hier die verheerende Katastrophe Tagesthema. Auch Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) - bis Dienstag auf China-Reise - lässt keine Gelegenheit aus, um bei Veranstaltungen und Empfängen dem chinesischen Volk das tiefe Mitgefühl des Berliner Senats auszudrücken.
Bildergalerie
Kurse stehen in Realtime zur Verfügung |
Kurse werden 15 Minuten verzögert angezeigt |
Kurse zum Börsenschluss
Kolumnen

TradeCentre Analysen
Schweinegrippe-Aktie?
Dax-Future weiter unter Abgabedruck, US-Börsen erholen sich leicht
Dax-Future rutsch unter 4.600 Punkte, US-Börsen auch deutlich unter Druck
Aktien
€€€€Kurs fallend



























