17 junge Leute erlernen an Saale und Unstrut Winzerberuf: Marcus Geck hat seine dicke Wollmütze tief ins Gesicht gezogen. Seine Füße stecken in derben Gummistiefeln. Der Wind stört den 20-Jährigen offenbar nicht. Ganz in Ruhe schneidet er am steilen Weinberg Müncheroda im Saale-Unstrut-Weinanbaugebiet im Süden Sachsen-Anhalts die Rebstöcke.
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«Ich bereite die Weinstöcke auf die kommende Saison vor», erzählt der Winzerlehrling im ersten Ausbildungsjahr. Gemeinsam mit Geck habe noch zwei weitere junge Männer und zwei junge Frauen im Weinbaugebiet ihre Winzerlehre begonnen. Nach Ansicht des Weinbauverbandes wird es jedoch zunehmend schwerer, geeignete Bewerber zu finden.

Diese müssen durchaus etwas aushalten können. Seit vergangenem November sei er täglich mindestens acht Stunden im Freien, um die Reben zu schneiden, berichtet Marcus Geck. «Auch bei minus 15 Grad», betont der Lehrling und fügt hinzu: «Die Temperaturen machen mir nichts aus.» Seine Freunde aus der Stadt würden nicht mit ihm tauschen wollen. «Aber Respekt haben sie vor dem Job», betont er stolz. «Ich bin einfach gerne draußen.» Viele in seiner Altersklasse würden das Arbeiten im Freien nicht mehr kennen und scheuten sich davor, schätzt Geck ein. «Ich bin auf dem Land aufgewachsen', sagt er und fügt hinzu, da sei ihm körperliche Arbeit bei Wind und Wetter nicht unbekannt.

Nach dem Realschulabschluss habe er noch nicht gewusst, was er einmal für den Rest seines Lebens arbeiten solle. «Das ist so eine große Entscheidung», betont er. Viele in seinem Alter machten erst einmal eine Ausbildung, die sie bekämen. Er habe zunächst eine Lehre als Anlagenmaschinentechniker angefangen und später geschmissen, gibt er zu. Mit der Ausbildung zum Winzer sei er nun zufrieden. «Das ist fürs Leben», strahlt er. Den ganzen Tag lang in einer dunklen Halle stehen, wolle er nie wieder.

Geck sei einer von 17 jungen Menschen, die derzeit an Saale und Unstrut zum Winzer beziehungsweise Weinküfer ausgebildet würden, sagt der Präsident des regionalen Weinbauverbandes, Siegfried Boy. Neben Geck sind noch vier weitere Azubis im ersten Lehrjahr, vier im zweiten und acht im letzten Ausbildungsjahr. Boy spricht von einer anspruchsvollen und vielschichtigen Winzer-Lehre an Saale und Unstrut.

Nicht nur der komplette Weinbau mit Pflanzenschutz und -pflege, sondern auch die Kellerwirtschaft stünden auf dem Programm. Leider ließen in den vergangenen Jahren die Zeugnisnoten der Bewerber zu wünschen übrig, bedauert Boy. Nicht immer gebe es Bewerber wie Geck. Seiner Erfahrung nach verschlechtere sich die Situation.

«Es gibt hin und wieder mal einen Bewerberjahrgang, der gute schulische Abgangsnoten aufweist», erklärt der Vorsitzende weiter, aber die Tendenz sei doch eher fallend. «Es kann doch nicht sein, dass wir auf Grundschulniveau ausbilden sollen», rügt Boy. Bewerber auf eine Lehrstelle als Winzer sollten qualifiziert sein, um dem Anspruch der Ausbildung gewachsen zu sein, bekräftigt der Weinbau-Präsident.

Boy ist sich sicher, dass «guten Winzern die große, weite Welt offen steht». Nachwuchs sei nicht nur in den traditionsreichen deutschen Weinstandorten nachgefragt, sondern etwa auch in Neuseeland oder Australien. Winzer-Lehrling Geck zieht es aber nicht in die Ferne. Sein größter Wunsch, sagt er, sei ein eigener Weinberg in der Heimat.

Freyburg (ddp-lsa)