Frankenberg (ddp-hes). Die zehntürmige Silhouette des Frankenberger Rathauses ist unverwechselbar. Sie birgt für Denkmalpfleger eine konstruktive Neuerung im Fachwerkbau. «Für dieses ansehnliche Bauwerk gab es seinerzeit kein direktes Vorbild», das ist ungewöhnlich», betont Bernhard Buchstab vom hessischen Landesamt für Denkmalpflege angesichts des 500. Jahrestages des Rathauses in diesem Monat. Die Deutsche Post sah im Frankenberger Rathaus so viel Originalität, dass sie das Konterfei des frühneuzeitlichen Baus im Januar als 45-Cent-Briefmarke herausgab.

«Wir ordnen dieses nordhessische Gebäude eindeutig nicht mehr dem Mittelalter zu», erläutert Buchstab, «sondern tatsächlich der Neuzeit.» Die Türmchen deutet der Denkmalpfleger so: «Es sind Zitate aus dem Mittelalter, die Wehrhaftigkeit signalisieren.» Auch wenn nie ein Bogenschütze je aus einem der Türme herausschaute, gaben sie dem Mittelpunkt Frankenbergs ein stattliches Antlitz. Die heute knapp 20 000 Einwohner zählende Stadt lag damals an der Kreuzung großer Handelswege und erlebte ab dem ausgehenden Mittelalter eine kulturelle Blüte. Wer es sich leisten konnte, ließ sich unter dem Dach des Rathauses trauen.

«Heute muss niemand mehr vermögend sein, um in unserem immer noch genutzten Trauzimmer zu heiraten», erzählt Frankenbergs Bürgermeister Christian Engelhardt (CDU). Zwar ist die Verwaltung längst ausgezogen, aber das Rathaus wird von der Bevölkerung fleißig genutzt. Auf durchaus historische Weise, denn im mächtigen Erdgeschoss wird wieder der Wochenmarkt abgehalten. Der saalartige Raum unter der hohen, weitgespannten Decke war schon im 16. Jahrhundert Gerichtshalle und Treffpunkt der Marketender.

«Die Frankenberger wissen, dass unser Rathaus etwas Einmaliges und Besonderes ist», freut sich Engelhardt. Um gut 100 000 Euro Spenden hatte die Stadt dieses Jahr ihre Einwohner gebeten, um anstehende Sanierungen bezahlen zu können. Mit originellen Aktionen und kulturellen Events brachten die Bürger rechtzeitig zum Jubiläum sogar über 220 000 Euro zusammen.

Dabei hätten es sich die Frankenberger, die in diesem Monat das Jubiläum ihres Rathauses feiern, vor gut 50 Jahren mit dem Denkmalamt fast vermasselt. «Der Konflikt ist bei uns auf dem Amt noch gut bekannt», berichtet Denkmalschützer Buchstab. «Und so vorbildlich die Frankenberger heute mit dem Rathaus zu Werke gehen, so lehrreich war das damals.» Die Bauleute der nordhessischen Kleinstadt wollten in den 50er Jahren ein schieferverkleidetes Stück Fachwerk auf der Wetterseite des Gebäudes freilegen. Sie hatten ihre Rechnung aber ohne das Denkmalamt gemacht.

Zu Zeiten, als anderswo auch höchste Originalität hinter Eternit verborgen wurde, verfochten die Frankenberger eine eigentlich «moderne» Auffassung, sagt Buchstab. Fachwerk ist heute attraktiv. «Aber eine stilgerechte Schieferverkleidung, auch wenn sie vielleicht 100 Jahre nach Erbauung montiert wurde, schützt das Holz», sagt der Denkmalpfleger. Die Profis vom Amt hatten den Erhalt des Fachwerks im Auge und setzten gerichtlich den Verbleib des Schieferschilds durch. «Modernität auf beiden Seiten war Ursache dieses exemplarischen Konflikts», sagt Fachmann Buchstab.

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