Berlin (ddp-bln). Die 12-jährige Dragana tobt durch den Irrgarten des Kindermuseums in Berlin-Wedding. «Ich suche meine Freundin», sagt sie, «die hat es aber viel schwerer als ich, weil sie kaum sehen kann und eine dicke Brille tragen muss.» Draganas Freundin kommt ursprünglich aus Indien, sie selbst aus Serbien. Außer den beiden Freundinnen der Weddinger Wilhelm-Hauff-Grundschule sind viele andere Kinder am Mittwoch zur Ausstellungseröffnung «Alle anders anders» ins Labyrinth Kindermuseum Berlin gekommen. Die Schau, die am Donnerstag (21. Mai) offiziell eröffnet wird, will Kindern auf spielerische Weise zeigen, dass «Anderssein» etwas Positives ist.
Das «Anderssein», also das Abweichen von einer scheinbaren Norm, werde in der Gesellschaft oft negativ empfunden, sagt Museumsgeschäftsführerin Roswitha von der Goltz. «Für Kinder ist dieses Thema schwer zu begreifen.» Es gehe dabei um die verschiedensten Bereiche wie Herkunft, Aussehen, Kleidung, eine mögliche Behinderung und vieles mehr. In der Ausstellung könnten die Kinder spielerisch an das Thema herangeführt werden und den «Reichtum und die Vielfalt des Andersseins» erkennen.
In einem nachgebauten Mini-Supermarkt spielen der neunjährige David und sein gleichaltriger Freund Noureldin eine Verkaufssituation nach. «Wir dürfen aber keine Worte benutzen», erläutert David. «Nur mit Bewegungen dürfen wir zeigen, was wir wollen», erklärt er. Der Supermarkt ist ein Teil der Ausstellung, in der die Kinder beispielsweise lernen können, Verständnis für taubstumme Menschen zu entwickeln. Weitere Ausstellungsbereiche sind unter anderen eine Fußgängerzone, in der die Kinder den unterschiedlichsten Menschen begegnen, ein A(l)telier, in dem sie etwas über Jung und Alt erfahren oder der Irrgarten, der dazu anregen soll, neue Wege zu gehen. Alle Erklärtafeln sind auf Deutsch und Englisch geschrieben.
Die Ausstellung auf rund 1000 Quadratmetern richtet sich an Kinder zwischen vier und elf Jahren. «Unser Museum ist kein Museum im klassischen Sinne», sagt Sprecher Nikola Mirza. «Uns ist wichtig, dass die Kinder hier aktiv sein können.» Es sei kein Ort der Ruhe und Beschaulichkeit, wo Exponate lediglich angesehen werden könnten, sondern ein Ort, an dem Kinder spielen und lernen sollen.
Insbesondere Themen wie das «Anderssein» seien schwierig zu vermitteln, betont Mirza. «Das Wort 'normal' müssten wir eigentlich aus unserem Wortschatz streichen», findet er. Es komme darauf an, dass Kinder Individualität schätzen lernten. «Viele Kinder werden schon sehr früh mit Vorurteilen konfrontiert und übernehmen diese auch.» Das Museum versuche dem entgegenzuwirken. So würden beispielsweise jeden Sonntag bis zu 90 «Kiezkinder» ins Museum eingeladen, um mit der Schauspielerin Nina Kronjäger Bücher zu lesen. «Diese Kinder können sich einen Museumsbesuch meist nicht leisten, deshalb wollen wir sie einladen und durch unser Angebot fördern», sagt Mirza.
Kronjäger ist neben ihrer Tätigkeit als Vorleserin zugleich auch Schirmherrin der Ausstellung. «Ich will den Kindern erklären, dass es spannend sein kann, anders zu sein», sagt die Schauspielerin. In ihrem Beruf müsse sie immer wieder in neue und andere Rollen schlüpfen, was sie als große Herausforderung sehe und den Kindern vermitteln wolle.
Hauptunterstützer der Ausstellung ist die Deutsche Behindertenhilfe - Aktion Mensch, weitere Fördermittel kommen von der Senatsbildungsverwaltung. Die Schau kann für rund eineinhalb Jahre bis zum 28. November 2010 besucht werden. Parallel zu dieser Ausstellung organisiert das Weddinger Kindermuseum Projekte zum Thema mit Kitas, Schulen und Sonderschulen sowie ein Fortbildungsprogramm mit rund 40 Workshops für Pädagogen. Auch bei der Langen Nacht der Museen am 29. August ist das Kindermuseum dabei.
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